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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2020
Erlöse mich aus meiner Angst
Über die therapeutische Wirkung der Religion
Der Inhalt:

Erlöse mich aus meiner Angst!

von Britta Baas vom 03.05.2020
Die Kirchen drohen durch Corona ins Abseits zu geraten. Dabei könnten sie dazu beitragen, dass sich Menschen weniger fürchten. Will Religion therapeutisch wirken, muss sie Antworten auf die Zumutungen des Lebens geben.
Maskenpflicht in ganz Deutschland: Die Angst vor Corvid 19 hat uns fest im Griff. (Foto: Gasper Grubelnik / Alamy Stock Photo)
Maskenpflicht in ganz Deutschland: Die Angst vor Corvid 19 hat uns fest im Griff. (Foto: Gasper Grubelnik / Alamy Stock Photo)

Die Nachricht kommt überraschend, recht früh am Morgen und per Telefon. »Am Wochenende komme ich euch nicht wie geplant besuchen«, sagt mein Sohn, 24. »Ich bin auf dem Weg nach Hause. Heute ist Tag eins meiner Quarantäne.« Erst mal verstehe ich gar nichts. Quarantäne? Wieso? Dann ein Riesenschreck. Corona! Ich erfahre: Einer seiner Kollegen ist positiv getestet. Einer, mit dem er eng zusammenarbeitet. Die Chefin hat die ganze Abteilung an diesem Morgen direkt nach Dienstbeginn nach Hause geschickt, kaum, dass sie über die Infektion informiert worden war. Mein Sohn sitzt in der S-Bahn, mit dem Handy am Ohr, und fragt mich: »Was meinst du, soll ich mich gleich mal selbst testen lassen?« Ich bezweifele, ob das so einfach möglich ist und telefoniere ein wenig herum. Tatsächlich erhalte ich die Antwort: Getestet werden nur Personen mit Symptomen. Mein Sohn hat keine. Noch nicht.

Als er zu Hause ist, kommt ein Anruf vom Gesundheitsamt. Am Abend berichtet er davon via Kurznachricht. »Ich gehöre jetzt zur Risikogruppe 1 – einmal ganz vorn dran – Smiley«. Mit Humor geht alles besser, denke ich, und nehme mir vor, in den kommenden Tagen öfter mal per Video-Chat zu schauen, ob es ihm gut geht. Besser nicht nur die Stimme hören, das könnte täuschen.

Am Tag darauf hat er alles organisiert, was jetzt wichtig ist. Wer für ihn einkauft. Wie er im Homeoffice arbeiten kann. Und was ihn ablenkt, wenn trübe Gedanken kommen. Sein Mitbewohner hat eine Dartscheibe an die Küchenwand geschraubt und die Devise ausgegeben: »Leben mit Corona ist auch ein Leben!«

Positiv denken. Woher kommt diese Grundhaltung? Ich staune, wie tief sie bei den beiden verankert ist. Für viele Menschen sieht die Welt gan

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