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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Kneipe und Kaufhaus

von Gunhild Seyfert vom 04.05.2012
»Mitten im Geschäft« und »Mitten im Alltag«: Mit unkonventionellen Projekten versuchen die Kirchen in Osnabrück, mit den Menschen über Gott und Glauben ins Gespräch zu kommen

Zwischen Stapeln von Hosen, schicken Blusen und Pullovern beim vorweihnachtlichen Einkaufsbummel tritt plötzlich ein grauhaariger Mann mit Bart hervor, stellt sich als Mitarbeiter der Kirche vor und fragt freundlich: »Was meinen Sie, hat die Kirche etwas mit Weihnachten zu tun?« Die angesprochenen Frauen und Männer reagieren überrascht, nicht wenige lassen sich auf ein kurzes Gespräch ein.

Um unmittelbarer mit den Menschen in Kontakt zu kommen, die sie mit ihren üblichen Angeboten nicht mehr erreichen, probieren die evangelische und die katholische Kirche in Osnabrück neue Wege aus. Sie sind plötzlich an Orten präsent, die mit Kirche zunächst einmal nichts zu tun haben. »Kirche mitten im Geschäft« heißt die Aktion, bei der die Kirchen auf sich und auf religiöse Fragen aufmerksam machen wollen.

Nicht jeder der Angesprochenen ist interessiert, doch die Antworten sind ehrlich. »Mit der Kirche habe ich nichts am Hut«, lautet schon mal die einsilbig genuschelte Antwort, und eine junge Frau mit Kinderwagen sagt deutlich: »Nein«, die Kirche habe für sie mit Weihnachten nichts zu tun. Zwei Schülerinnen geben offen zu, zwar konfirmiert zu sein, aber höchstens noch zu Weihnachten in den Gottesdienst zu gehen. »Da ist es uns zu langweilig, der Gottesdienst müsste spannender werden.« Die beiden 17-Jährigen zeigen sich positiv überrascht, dass da, wo sie ihre Klamotten kaufen, plötzlich Kirchenvertreter auftauchen.

»Wir gehen hin zu den Leuten, mitten in ihren Alltag«, erläutern Martin Wolter, evangelischer City-Pastor, und Andreas Kratel, katholischer Theologe und Mitarbeiter des Forums am Dom, ihr Vorgehen. Die meisten Menschen bleiben den Gottesdiensten und kirchlichen Angeboten fern. Nach der Sinus-Milieu-Studie aus dem Jahr 2005, bei der religiöse und kirchliche Orientierungen untersucht wurden, fühlen sich nur noch die traditionell orientierten Menschen und Teile der bürgerlichen Mitte von kirchlichen Angeboten, insbesondere in den Kirchengemeinden, angesprochen. Die Mitgliederzahlen in den Kirchen schwinden, und auch diejenigen, die noch Kirchensteuer zahlen, leben oft ohne Kontakt zu ihrer Kirche. Damit stehen die Kirchen unter dem Druck, sich etwas einfallen zu lassen, wenn sie Bedeutung und Bestand haben wollen.

Martin Wolter lässt sich oft etwas einfallen. Der City-Pastor des evangelis

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