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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2019
Mach mich unsterblich!
Der Plan von der Erschaffung des perfekten Menschen
Der Inhalt:

Heute Hongkong, morgen Taiwan?

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 12.12.2019
In Hongkong gehen Zehntausende für Demokratie auf die Straße. Auch im benachbarten Taiwan ist die Angst vor dem übermächtigen China zu spüren.
Für Freiheit und Demokratie: Hunderttausende gingen am 8. Dezember in Hongkong wieder auf die Straße. Sie werden von vielen Taiwanern unterstützt (Foto: pa/Nigro).
Für Freiheit und Demokratie: Hunderttausende gingen am 8. Dezember in Hongkong wieder auf die Straße. Sie werden von vielen Taiwanern unterstützt (Foto: pa/Nigro).

Für Michelle Wu geht es ums Ganze: Freiheit oder chinesische Invasion, Demokratie oder Diktatur. So sieht die 22-jährige Taiwanerin die derzeitige Lage in Hongkong – und die Zukunft ihrer eigenen Heimat, der Inselrepublik Taiwan. Denn Taiwan, das ein eigenes politisches System hat, eine eigene Armee, eine eigene Währung und vor allem eine funktionierende Demokratie, fürchtet um seine Unabhängigkeit. China sieht die Insel als Teil des eigenen Landes an und möchte das Prinzip »Ein Land, zwei Systeme«, das in der Sonderverwaltungszone Hongkong gilt, am liebsten auf Taiwan übertragen. Für Taiwaner ein Schreckensszenario.

An einem Tag Ende November, kurz vor den Lokalwahlen in Hongkong, steht die Jurastudentin Michelle Wu vor einer presbyterianischen Kirche in Taiwans Hauptstadt Taipei, nur einen Steinwurf vom Parlament entfernt. Vor der Jinan-Kirche mit den rotbraunen Backsteinziegeln sind weiße Stellwände aufgestellt. Bunte Zettel kleben daran: »Pray for Hongkong« steht da in chinesischen und englischen Schriftzeichen, »Fight for freedom now« und »Give peace a chance«. Auch Michelle Wu unterstützt die Hongkonger Protestbewegung. Sie ist in verschiedenen Jugendgruppen aktiv, die beispielsweise Spenden sammeln für Helme und Atemschutzmasken für die prodemokratischen Aktivisten in Hongkong. Auch eine große Solidaritätsdemo mit Hunderttausenden Teilnehmern hat sie mitorganisiert. »Die Demonstranten in Hongkong sind so alt wie ich, und sie sind schon im Krieg. Wir sollten alle an ihrer Seite stehen«, sagt Wu. Sie ist nervös, wenn sie im Livestream die Bilder aus Hongkong sieht, und glaubt, was in Taiwan viele befürchten: »Heute Hongkong, morgen Taiwan«. Es geht um Existenzielles, um die eigene taiwanische Identität, um die Freiheit, u

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