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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Der Seitenwechsler

von Ursula Baatz vom 20.09.2011
Helmut Schüller war einmal Generalvikar in Wien. Jetzt streitet der Österreicher für Reformen in der katholischen Kirche

Er will ordentlich arbeiten können, »sonst ist es Zeitvergeudung«, sagt Helmut Schüller, der zurzeit wohl umstrittenste Priester der römisch-katholischen Kirche Österreichs. Deswegen steigt Schüller, der meist mit römischem Kragen auftritt, den österreichischen Bischöfen auf die »Hühneraugenstellen«, wie er sagt: Das sind die Pfarreien. Sie sind zwar die Basis kirchlichen Lebens, doch eine bedrohte Spezies.

Denn einerseits schwinden die Gläubigen und wird der Altersdurchschnitt der Verbliebenen immer höher, andererseits mangelt es an Priestern. Und zudem ist die Unzufriedenheit in diesem aktiven Segment der österreichischen Kirche groß: Studien des österreichischen Pastoraltheologen Paul Zulehner zeigen, dass rund zwei Drittel aller Pfarrer trotz Zufriedenheit mit ihrem Beruf mit der derzeitigen Gesamtsituation in ihrer Kirche unzufrieden sind. Und unter den Pfarrgemeinderäten ortet Zulehner »massive Depressionen«, wenn es um die Zukunft geht.

Dies ist der Hintergrund des »Aufrufs zum Ungehorsam«, den die Pfarrer-Initiative, als deren Sprecher Schüller fungiert, am 28. Juni diesen Jahres, dem Dreifaltigkeitssonntag, im Internet veröffentlichte. Seither werden die Debatten in Österreich immer heftiger. Von einer »offenen Rebellion« ist die Rede und von Kirchenspaltung.

Im »Aufruf« geht es um heiße innerkirchliche Themen: um die Kommunion für Geschiedene und Wiederverheiratete, um Gottesdienste, denen Laien vorstehen, um die Predigt von Laien und dann auch um die Öffnung des Priesteramts – sprich die Aufhebung des Pflichtzölibats und die Zulassung von verheirateten Männern und Frauen. Der konservative Wiener Kirchenrechtler Ludger Müller bezeichnet in einer Ö1-Radiosendung den »Aufruf« als Verstoß gegen das Kirchenrecht, der mit einem Interdikt – einem zeitweiligen Ausschluss aus der Kirche – geahndet werden könnte.

Pfarrer Helmut Schüller dagegen bleibt gelassen: Der »Aufruf zum Ungehorsam« sei vor allem ein Bericht und gebe wieder, was bereits gängige Praxis in vielen Gemeinden sei und stillschweigend geduldet werde. Man rufe Pfarrer und Gemeinden dazu auf, zu ihrer Praxis offen zu stehen. Der Pfarrer-Initiative, die bereits 2006 gegründet wurde, gehe es nicht um eine Kirchenspaltung; man sorge sich vielmehr um die Zukunft der Kirche in Österreich, betont Schüller.

Tatsächlich steht

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