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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2011
Ingenieure des Lebens
Wohin führt die Synthetische Biologie?
Der Inhalt:

Im heißen Streit um Israel

von Thomas Seiterich vom 20.09.2011
Griff ins Wespennest: Der Theologe Jochen Vollmer stellt im evangelischen Deutschen Pfarrerblatt den Judenstaat infrage

Kaum ein Thema führt zu so scharfem Streit unter deutschen Christen wie der Nahostkonflikt. Siebzig Jahre nach dem Holocaust liegen bei den Enkeln oder Kindern der Tätergeneration im Handumdrehen die Nerven blank, sobald kritisch über Israel debattiert wird.

Jochen Vollmer, pensionierter Pfarrer der württembergischen Landeskirche und Alttestamentler, publiziert im Deutschen Pfarrerblatt, der im 111. Jahrgang erscheinenden Verbandszeitschrift der evangelischen Pfarrerschaft, die an rund 22 000 Pastoren geht, im August den Aufsatz »Vom Nationalgott Jahwe zum Herrn der Welt und aller Völker«. Der zunächst politisch, danach theologisch argumentierende 11-Seiten-Text kritisiert den Staat Israel auf radikale Weise. Damit widerspricht der Aufsatz dem heutigen evangelischen Bekenntnis, wie es in Erklärungen der Landeskirchen sowie der EKD-Denkschrift »Christen und Juden III« vom März 2000festgeschrieben ist.

Theologisch kommt Vollmer zu dem Schluss, das national-religiöse Selbstverständnis des Staates Israel stehe dem Frieden in Nahost im Wege. Denn: »Die Landnahme ist das oberste Ziel israelischer Politik.« Ein Recht auf Selbstverteidigung, mit dem der Staat Israel viele Militäraktionen gegen Palästinenser begründet, existiere nicht für »Eindringlinge und Räuber, die der eingesessenen Bevölkerung das Land nehmen und auf deren gewaltsamen Widerstand stoßen«. Vollmer kritisiert seine Kirche, dass sie Israel einseitig stütze. Er wirft ihr vor, das Unrecht auszublenden, das den Palästinensern zugefügt wurde, als sie in der Nakba-Katastrophe vor der unfriedlichen Gründung Israels 1948 aus ihrem Land verjagt wurden.

Kritik äußert Vollmer an dem Beschluss der Rheinischen Synode von 1980, der den Durchbruch für die Neubestimmung des Verhältnisses der Protestanten zu den Juden markierte. Die meisten Landeskirchen änderten nach dem Vorbild des Rheinlandes ihre Bekenntnisse, Präambeln und Verfassungen. Sie brachen so mit jahrhundertelanger, antijüdischer, lutherischer Theologie. Nun bekennen die evangelischen Kirchen die »bleibende Erwählung Israels« und erklären sich für Israels Existenz als Religion, Volk und Staat. Vollmer kritisiert dieses neue Bekenntnis der theologischen Solidarität mit Israel als menschlich verständlichen, jedoch »theologisch fragwürdigen Versuc

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