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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2011
Kein Gott, nirgends?
Stephen Hawkings Theo-Physik
Der Inhalt:

Redet über das wahre Problem!

von Ina Praetorius vom 29.04.2011
»Oben säuseln wohlbestallte Priester und Professorinnen von rettendem Machtverzicht, unten putzen Migrantinnen dementen Großvätern den Hintern.« Ein zorniger evangelischer Zwischenruf

Ein »flammender, fast dramatischer Aufschrei« sei das Memorandum Kirche 2011, hieß es am 4. Februar im Heute-Journal. Wie weit habe ich mich eigentlich vom Zweiten Deutschen Fernsehen entfernt? Was, bitte, soll an diesem Text dramatisch sein? Etwa, dass »die kirchliche Hochschätzung der Ehe ... außer Frage« steht oder dass es »mehr synodale Strukturen« braucht?

Auch Hans Küng hätte »klarere Formulierungen erwartet« und findet »einige Sätze höchst vage«, sagt er am 6. Februar im Schwäbischen Tagblatt. Allerdings frage ich mich, ob der Text spannender geworden wäre, hätte unser aller Alternativpapst ihn verfasst. Denn auch was Küng in Richtung Rom zum Besten gibt, reißt mich schon seit geraumer Zeit nicht mehr vom Hocker.

Bin ich jetzt gänzlich abgedreht? Oder wünsche ich mir einfach, dass im circa siebenhundertdreiundfünfzigsten kritisch-katholischen Sendschreiben (ich zähle nicht mehr mit) endlich Klartext geredet wird?

Dass Pfarrerinnen und Bischöfinnen die Kirche weder untergehen lassen noch zum Paradies auf Erden machen, weiß ich als evangelische Christin seit Jahrzehnten. Auch wenn »Gläubige sich ... in demokratischen Strukturen an der Leitung ihrer Gemeinden beteiligen«, schadet das weder Gott noch dem Evangelium, sondern höchstens Angsthasen und Gewohnheitstieren.

Muss man also immer noch fordern, dass man so was »darf«? Könnten wir vielleicht zur Abwechslung darüber diskutieren, ob überhaupt irgendeine halbwegs intelligente Frau willens ist, einen Priester zu heiraten, der, wenn er endlich ein Eheweib »haben« darf, gewiss keinem Kind mehr Gewalt antun wird?

Auch verheiratete Menschen werden übergriffig. Die meisten Kindesmisshandlungen finden im »vertrauten« Familienkreis statt, viele auch in evangelischen Pfarrhäusern. Wir sollten also, statt von der Ehe das Heil zu erwarten, über die strukturelle Gewalthaltigkeit dieser nur vermeintlich idealen Form des Zusammenlebens diskutieren.

Jahrhundertelang hat man die Ehe, gleich ob poly- oder monogam organisiert, als Besitzverhältnis verstanden: Frauen, Kinder und Sklaven gehörten dem Herrn und hatten per Definition nichts zu sagen. Und das soll sich in ein paar Jahrzehnten egalitärer Ehegesetze schon grundlegend geä

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