Personen und Konflikte
Personen und Konflikte

Davide Pagliarani, der Generalobere der erzkonservativen, schismatischen »Priesterbruderschaft Pius X.«, hat angekündigt, neue Bischöfe zu weihen. In Sorge um den Fortbestand der Gemeinschaft und aufgrund des »objektiven Zustands schwerer Not, in dem sich die [katholischen] Seelen« befänden, sei eine Weihe auch ohne päpstliche Zustimmung nötig. Es wäre die erste Bischofsweihe der Bruderschaft seit 1988, als der abtrünnige Erzbischof Marcel Lefebvre auf diese Weise eine eigene Hierarchie errichtet hat. Nach katholischem Verständnis galten die Weihen als unerlaubt, aber gültig. Von den vier damals geweihten (und von Papst Benedikt XVI. aus der Exkommunikation befreiten) Bischöfen leben noch zwei. Fallen sie aus, könnten die Piusbrüder keine Priester mehr weihen. Nach Pagliaranis Ankündigung beriet sich Papst Leo XIV. spontan und abweichend von den Regularien mit dem Glaubensdikasterium; Pressesprecher Matteo Bruni kündigte Gespräche mit den Piusbrüdern an. Leo XIV., bisher um diplomatisch-unverbindliche Aussagen zum schismatischen Rechtsaußen-Flügel bemüht, muss jetzt seinen Kurs klären.
Katherina Reiche, Bundeswirtschaftsministerin, erhält Kritik für ihren Jahreswirtschaftsbericht. Exemplarisch bemängelt Sven Giegold, stellvertretender Bundesvorsitzender der Grünen, im Einvernehmen mit dem Koalitionspartner SPD habe Reiches Ministerium den Erkenntniswert ihres Berichts »dramatisch« eingeschränkt. Das Papier enthalte praktisch nur noch Angaben zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und zur Entwicklung der Beschäftigung. Unter der Ampelregierung seien weitere aussagekräftige Wohlstandsindikatoren wie Klimaschutz, Biodiversität, soziale Ungleichheit, Schulabbrecherquote und der Verdienstabstand zwischen Männern und Frauen aufgeführt worden. Solche Angaben habe Reiche gestrichen. Dabei sei das BIP kein ausreichender Indikator für Wohlstand und Wohlergehen. Auch berücksichtige das BIP Schäden an der Natur oder am gesellschaftlichen Wohlergehen der Bevölkerung nicht.
Joachim Volz, Chefarzt am »Christlichen Krankenhaus« in Lippstadt, hat in zweiter Instanz einen Teilerfolg erzielt. Nach der Fusion einer evangelischen mit einer katholischen Klinik 2025 hatte ihm die neue Trägerschaft auf katholischen Druck untersagt, Abtreibungen vorzunehmen. Der frühere evangelische Träger hatte dem 67-jährigen Schwangerschaftsabbrüche zugestanden, die aus medizinischen Gründen indiziert waren. In erster Instanz, vor dem Arbeitsgericht Hamm, war Volz im August unterlegen: Die Klinik dürfe entscheiden, welche Leistungen sie anbiete oder nicht, befanden die Richter. Diese Entscheidung sei, so jetzt auch das Landesarbeitsgericht, vom allgemeinen »arbeitgeberseitigen Weisungsrecht« gedeckt. »Fragen des kirchlichen Selbstbestimmungsrechts« hätten hier »keine entscheidende Rolle« gespielt. Jedoch urteilte die zweite Instanz, das Abtreibungsverbot für Volz dürfe nicht auf dessen private Praxis in Bielefeld und seine kassenärztliche ambulante Tätigkeit in der Klinik ausgedehnt werden. Abschließend ist laut Gericht aber nicht geklärt, welche Nebentätigkeiten Volz ausüben darf.

Christoph Schaufert, Abgeordneter der AfD im saarländischen Landtag, ist am Vatikan gescheitert. Rom bestätigte die Entscheidung des Bistums Trier, Schaufert aus dem Verwaltungsrat seiner Pfarrgemeinde zu entlassen. Es ist der erste bekannt gewordene Fall seit 2024, seit die Deutsche Bischofskonferenz »völkischen Nationalismus« und Christentum für unvereinbar erklärt hat. Wegen seiner AfD-Betätigung wurde Schaufert kurz danach gemäß dem diözesanen Kirchenvermögensverwaltungsgesetz »aus wichtigem Grunde« entlassen. Für seinen Einspruch musste er sich nach den Regeln kirchlicher Verwaltungsgerichtsbarkeit an Rom wenden; das Dikasterium für den Klerus als nächsthöhere Instanz bestätigte, dass die Trierer Verfügung formalrechtlich korrekt war. Schauferts Einspruch sei rechtlich und sachlich unbegründet. Auf inhaltliche Argumente – der einstige CDU-Mann brachte vor, er sei allein wegen seiner heutigen »Gruppenzugehörigkeit« bestraft worden – ging Rom nicht ein. Die römische Entscheidung gilt als Präzedenzfall. Schaufert ist mittlerweile aus der Kirche ausgetreten.
Petra Schwermann, Dezernentin für Bildung und Gemeinde bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), will für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt moderne »Friedensreiter« ausbilden. Historisches Vorbild sind die Boten, die bei den Verhandlungen zum Ende des 30-jährigen Krieges (1618-1648) zwischen den Kriegsparteien in Osnabrück und Münster hin- und herritten und das »Miteinander«-Reden erst ermöglichten. Die Reiter heute sollen, so Schwermann, »in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen um die Zukunft der liberalen Demokratie eingreifen« und »zwischen den Lagern wechseln können – ohne Kompromisse bei den Bürgerrechten, ohne Menschenscheu«. Dafür erhalten sie laut EKM eine »zertifizierte Weiterbildung« in Wochenendseminaren und werden am Sonntag vor der Wahl durch Landesbischof Friedrich Kramer im Magdeburger Dom in liturgischer Form ausgesandt.




