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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2012
2012: Wir steigern das Bruttosozialglück
Der Inhalt:

Ich kann das nicht mehr glauben

von Christa, Heinz Schade vom 04.05.2012

In den meisten evangelischen Gottesdiensten wird Sonntag für Sonntag das Apostolische Glaubensbekenntnis gesprochen, womöglich eingeleitet mit den Worten: »Lasst uns unseren christlichen Glauben bekennen!« Aber für kaum jemanden unter den Gottesdienstbesuchern dürften die Aussagen dieses Bekenntnisses Ausdruck seines oder ihres persönlichen Glaubens sein, nicht einmal für die Pfarrer, von den vielen Gemeindemitgliedern ganz zu schweigen, die normalerweise nicht an den Gottesdiensten teilnehmen. Wer nach dem Inhalt seines christlichen Glaubens gefragt wird, der oder die wird etwas anderes sagen.

Unser Eindruck ist, dass dieses Phänomen in unserer evangelischen Kirche nicht thematisiert wird. Eine Äußerung wie die von Martin Dolde, Präsident des Evangelischen Kirchentages 2001 in Frankfurt am Main, ist eine absolute Ausnahme. Er sagte damals: »Wie komme ich dazu, ausgerechnet im Gottesdienst beim Sprechen des Glaubensbekenntnisses vor allen Leuten regelmäßig zu lügen? Ich kann doch nicht glauben, dass Jesus vom Heiligen Geist gezeugt wurde. Ich kann nicht glauben, dass Maria Jesus als Jungfrau zur Welt gebracht hat. Ich kann nicht glauben, dass Jesus nach drei Tagen körperlich auferstanden ist.«

Erst in der Zeit der Bekennenden Kirche kam bekanntlich die Praxis auf, dass das Apostolikum nicht nur vom Pfarrer für die Gemeinde, sondern von der ganzen Gemeinde gemeinsam gesprochen wurde. Was in der damaligen Situation der Verfolgung eine geistliche Stärkung war, hat nach dem Zweiten Weltkrieg das Problem für viele Gemeindemitglieder verschärft. Denn natürlich ist es ein Unterschied, ob das Bekenntnis vom Pfarrer für die Gemeinde gesprochen wird oder ob ich aufgefordert werde, es – noch dazu im Singular (»Ich glaube ...«) – selbst zu sprechen.

Eine Folge dieser Situation waren die vielen modernen Glaubensbekenntnisse vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren, von denen sich aber keines durchsetzen konnte – zu verschieden waren die inhaltlichen Vorstellungen der einzelnen Menschen, und natürlich hatte auch keiner dieser Texte das Gewicht der Tradition und der Ökumene hinter sich.

Theologisch wie soziologisch gesehen ist die sichtbare Kirche die Gemeinschaft derer, die zu ihr halten. Und so muss man wohl feststellen, dass unsere Kirche kein gemeinsames Bekenntni

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