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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2018
Kennen wir uns?
Jesus, Marx und die Krise des Kapitalismus. Ein Streitgespräch
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Die neue Angst der Juden

von Alexander Schwabe vom 11.05.2018
Was vor Jahren undenkbar war, ist Realität geworden: Der offene Antisemitismus in Deutschland ist zurück. Woran liegt das? Und wann ist Kritik an der israelischen Politik antisemitisch?
Juden am Brandenburger Tor: Kann die deutsche Gesellschaft dem Antisemitismus Einhalt gebieten? (Foto: imago/snapshot)
Juden am Brandenburger Tor: Kann die deutsche Gesellschaft dem Antisemitismus Einhalt gebieten? (Foto: imago/snapshot)

Bis zu den Novemberpogromen 1938 stand in der Berliner Fasanenstraße die erste liberale Synagoge der Hauptstadt. Heute steht an der Stelle des zerstörten Gotteshauses ein jüdisches Gemeindezentrum. Am Mittwoch vorvergangener Woche versammelten sich 2000 Menschen davor. Viele trugen Kippa. Wie besorgte Bürger in etlichen anderen Städten wollten sie sich solidarisch zeigen mit den Menschen jüdischen Glaubens, denen in Deutschland eine zunehmend antisemitische Stimmung entgegenschlägt.

Kurz zuvor war in Prenzlauer Berg an einem frühlingshaften Abend gegen 20 Uhr ein 21-jähriger Tiermedizinstudent aus Haifa, der seit drei Jahren in Deutschland lebt, von drei jungen arabischen Männern mit »Jude! Jude!« beschimpft und von einem der Männer mit Gürtelschlägen malträtiert worden. Der junge Israeli, dessen Familie arabische, christliche und jüdische Wurzeln hat, hatte ein Selbstexperiment gewagt. Er hatte sich eine Kippa aufs Haupt gesetzt, um zu überprüfen, was er gehört hatte: dass der tot geglaubte Antisemitismus in Deutschland lebt. So sarkastisch es klingt: Die Arbeitshypothese des Experiments war verifiziert.

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