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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2019
War Goethe Muslim?
Fasziniert vom Islam: 200 Jahre West-östlicher Divan
Der Inhalt:

Kolumne von Anne Lemhöfer: Peng, du bist tot

Ich schmiss kurzentschlossen die Mini-Knarren in den Müll. Später stürzte sich mein Sohn juchzend auf das Spielzeug. Und fragte wenig später: »Mama, waren da keine Pistolen dabei?«
»Nein, meine Spritzpistole geb’ ich nicht her! Der Paul und der Ben haben auch welche, wie soll ich mich denn verteidigen?« (Foto: shutterstock/DenisNata)
»Nein, meine Spritzpistole geb’ ich nicht her! Der Paul und der Ben haben auch welche, wie soll ich mich denn verteidigen?« (Foto: shutterstock/DenisNata)

Ich will ja, dass meine Kinder glücklich sind. Natürlich bekam mein Sohn zum vierten Geburtstag die heiß ersehnte Polizeistation von Playmobil. Ich seufzte, als sich das Monstrum nach dreieinhalb Stunden Aufbauen als martialische Law-and-Order-Trutzburg nach amerikanischem Vorbild entpuppte, inklusive Knast und »Verbrecher«. Der »Verbrecher« war ein punkig angezogener Jugendlicher in Lederjacke. Sein Fluchtfahrzeug: ein Skateboard. Meine Güte, was hatte ich da bloß per Klick im Internetladen mit dem großen A in den Warenkorb befördert? Aber zu spät. Es war die Nacht vor dem Geburtstagsmorgen, im Ofen duftete der Schokoladenkuchen. Ein Stockwerk höher schlief mein süßer, sanfter Junge mit seinem Stoffhasen im Arm und einem Lächeln der Vorfreude auf den Lippen. Zu spät, die Polizeistation gegen die Arche Noah umzutauschen. Wir waren fast fertig, als ich ein kleines, beiliegendes Tütchen öffnete. Es war voller Handfeuerwaffen in Stecknadelgröße. Kurz entschlossen schmiss ich die Mini-Knarren alle in den Müll. Sechs Stunden später stürzte sich der Sohn juchzend auf seine Polizeistation. Und fragte wenig später: »Mama, waren da keine Pistolen dabei?« Ich murmelte: »Weiß nicht, haben die vielleicht vergessen …«

Man soll Kinder nicht anlügen. Ich weiß. Aber seit ich Mutter eines Jungen geworden bin, zweifele ich manchmal an meiner Erziehungskompetenz. Ich bin ein Kind der Friedensbewegung, bin im Grundschulalter auf Ostermärschen mitgelaufen und habe später gegen den Golfkrieg demonstriert. Ich empfinde geradezu eine körperliche Abscheu gegen Waffen aller Art. Gudrun Pausewangs Buch »Die letzten Kinder von Schewenborn«, in dem eine Atombombe auf Frankfurt fällt, hinterließ einen Schatten auf meiner Kindheit. Und dann: Kaum da

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