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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2019
War Goethe Muslim?
Fasziniert vom Islam: 200 Jahre West-östlicher Divan
Der Inhalt:

Das Leben, ein Gemischtwarenladen

von Brigitte Neumann vom 09.08.2019

Kurzgeschichten. Wer mit seinem Leben hadert – und wer täte das nicht gelegentlich? –, der findet hier Trost und Ermunterung. Schon allein weil das Leben, mit den Augen des 39-jährigen Autors Joey Goebel betrachtet, viel irrwitziger ist als erwartet. Er zeichnet es als einen schäbig-schönen, übelst himmlisch riechenden Gemischtwarenladen, in dem alles passieren kann – von »A« wie »Absturz« bis »Z« wie »zauberhaftestes Wunder ever«. Sanfte Versager, heillose Angeber, Säufer und Nerds kämpfen um ein wenig Erfüllung, und hier und da geschieht das Unwahrscheinliche tatsächlich. Wie schon im Titel angedeutet: »Irgendwann wird es gut.« Genau so heißt auch ein Lied von Morrissey. Er ist der Lieblingsmusiker Dans, einer von Goebels unglücklichen Figuren aus der fiktiven Kleinstadt Moberly in Kentucky, der mit seinem Leben hadert. »Dan fand, er habe alles getan, was ein Mensch tun musste, und doch hatte die Welt sich nicht revanchiert«, heißt es über ihn. Der Mindestlohnempfänger mit zwei Uniabschlüssen erträgt die Banalität seines Daseins nicht mehr und beginnt Tug, dem plappernden Moderator des örtlichen Popsenders, Hassmails zu senden. Er sei nicht mehr als ein Zellklumpen, schreibt Dan. Doch als Tug nicht mehr auf seine Nachrichten reagiert, fragt Dan kleinlaut: »Würde es dich umbringen zu antworten, als Bestätigung für mich, dass ich noch existiere? Denn allmählich kommen mir Zweifel.« Goebels schwungvoll geschriebener Storyreigen handelt von normalen Leuten in prekären Verhältnissen. Er skizziert sie in einfacher, unsentimentaler Sprache. Die Botschaft der Erzählungen: Schau dir jeden Loser genau an, niemanden trifft eine Schuld. Oder, wie Dan es sieht: Alle sind sie nur verstörte Kinder, die, inzwischen etwas schwerer geworden, trotzdem mal wieder auf die Schaukel wollen.

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