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Publik-Forum, Heft 2/2020
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»Ich bin freier geworden«

von Thomas Seiterich vom 31.01.2020
Das Leib-und-Seele-Gespräch: Klaus Mertes machte vor zehn Jahren als Rektor des Canisius-Kollegs den sexuellen Missbrauch an seiner Schule öffentlich und trat damit eine Lawine los. Wie hat ihn diese Erfahrung verändert? Ein Gespräch mit dem Jesuiten Klaus Mertes
Aufklärer, Seelsorger, Pädagoge: Der Jesuit Klaus Mertes ist Direktor des Kollegs St. Blasien, eines Gymnasiums mit Internat.im Schwarzwald. Vor zehn Jahren machte er den sexuellen Missbrauch am Canisius-Kolleg öffentlich. (Foto: KNA)
Aufklärer, Seelsorger, Pädagoge: Der Jesuit Klaus Mertes ist Direktor des Kollegs St. Blasien, eines Gymnasiums mit Internat.im Schwarzwald. Vor zehn Jahren machte er den sexuellen Missbrauch am Canisius-Kolleg öffentlich. (Foto: KNA)

Publik-Forum: Pater Mertes, vor zehn Jahren schrieben Sie einen Brief an alle ehemaligen Schüler des Canisius-Kollegs in Berlin. Als Rektor der Schule informierten Sie sie über sexuellen Missbrauch durch Patres und baten um Hinweise. Haben Sie geahnt, welche Lawine Sie lostreten?

Klaus Mertes: Nein, natürlich nicht. Ich habe den Brief ja ausschließlich an die Schüler verschickt, und dieser Brief ist dann über Personen, die mir bis heute nicht bekannt sind, an die Öffentlichkeit gelangt. Dass er Wellen schlagen würde, habe ich allerdings nicht ausgeschlossen.

Weshalb?

Mertes: Er stellte grundlegende Fragen zur Mitverantwortung der Kirche und enthielt bereits die Erkenntnis, dass Ordensobere von der sexuellen Gewalt durch Geistliche wussten und unzureichend reagiert haben, sodass alles wieder im Schweigen landete.

»Das waren zwanzig Leben in wenigen Monaten«

Wie haben Sie die Zeit der Aufdeckung in Erinnerung? Konnten Sie da noch schlafen?

Mertes: Das waren zwanzig Leben in wenigen Monaten: Am Tag, als die Berliner Morgenpost über den Brief berichtete, war die Straße vor dem Schulhof voll mit Fernsehreportern und ihren Übertragungswagen. Meine Schulleiterin, Gabriele Hüdepohl, fing mich morgens ab und sagte: »Bevor du mit Journalisten redest, musst du mit den Schülern sprechen.« Denn sie waren die aktuell Leidtragenden. Ich habe ihnen zu erklären versucht, dass man, wenn man solche Vorgänge wie sexuellen Missbrauch durch Verantwortliche in einer Institution aufklären will, die Last der Stigma

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