Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

»Tötet sie, wo ihr sie zu fassen bekommt«

von Ömer Özsoy vom 01.02.2015
Ruft der Koran Muslime zur Gewalt auf? Immer wieder ist dieser Vorwurf Thema öffentlicher Debatten. Doch eine Analyse der Skandalverse in Sure 2 zeigt: Sie meinen das Gegenteil dessen, was viele in sie hineininterpretieren. Eine Exegese von Ömer Özsoy
Panorama der Stadt Mekka heute, fotografiert von den Abraj-Al-Bait-Towers aus: Wer den Koran verstehen will, muss wissen, dass Muslime in Mekka einst in der Minderheit waren. (Foto: Wikipedia)
Panorama der Stadt Mekka heute, fotografiert von den Abraj-Al-Bait-Towers aus: Wer den Koran verstehen will, muss wissen, dass Muslime in Mekka einst in der Minderheit waren. (Foto: Wikipedia)

Der Koran ist in einem Zeitraum von über zweiundzwanzig Jahren – stückweise und bezugnehmend auf verschiedenste Geschehnisse und Gegebenheiten der Offenbarungszeit (610- 632) – geoffenbart worden. Deshalb finden wir in ihm Spuren fast aller Ereignisse seiner Zeit: Alltägliches und Rituelles, Friedliches und Kriegerisches, Rechtliches und Religiöses. Er behandelt seine Themen nicht abstrakt, sondern in bestimmten und immer sich verändernden Kontexten anhand von Präzedenzfällen. So ist es auch mit dem Thema »Religionsfreiheit und Gewalt«.

Ich möchte das an zwei höchst gegensätzlichen Versen aus dem Koran zeigen. Beide werden heute häufig anders gelesen, als es ihrer ursprünglichen Intention entspricht. Das betrifft zum einen den berühmten Toleranzvers in Sure 109 – ursprünglich ein Aufruf zur Distanzierung von den Polytheisten –, zum anderen die so genannten Skandalverse in Sure 2, 191-193, die im Ursprung religionsfreiheitliche Aspekte beinhalten. In der als Toleranzvers bekannten Passage in Sure 109, 6 heißt es: »Ihr habt eure Religion, und ich habe meine Religion.« Dieser Vers wird dort gerne zitiert, wo der Islam als eine tolerante Religion präsentiert werden soll. Auch in vielen Predigten in Moscheen oder in religiösen Fernsehreden in der islamischen Welt wird der Vers als der klarste Beweis dafür vorgetragen, dass der Islam die Religion sei, welche Religionsfreiheit und Toleranz erstmals gelehrt habe. Diese Herangehensweise lässt sich als insgesamt korankonform begrüßen.

Was tolerant erscheint, ist es nicht

Eine nähere Betrachtung des Verses zeigt jedoch, dass in ihm keine Aufforderung zur Toleranz, sondern ein

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.
Nicolette
02.02.201511:05
Dies ist eine historische Auslegung. Andere legen den Text wörtlich aus, wieder andere systematisch oder teleologisch (zielorieniert). Was die beste Auslegung ist, müsste ein Diskurs bestimmen. Diesen gibt es aber nicht.
Mit einer wörtlichen Auslegung entsteht die Gefahr einer latenten Bedrohung.
saf2009
01.02.201515:12
"Das Schlimmste steht uns noch bevor: Die Wahrheit"

Frau Prof. Oriana Fallaci war eine italienische Schriftstellerin und Journalistin. Sie verstarb 2006 in New York in ihrem Exil. Weltweites Aufsehen erregte Oriana Fallaci mit ihren Essays. Unter dem Titel La Rabbia e L’Orgoglio (Die Wut und der Stolz) konfrontiert die Autorin die westliche Welt mit dem Islam und beschreibt diesen als aggressive und expansive Religion. Sie stellt dabei die These auf, dass der dekadente, in seiner Sucht nach Frieden blind gewordene Westen durch sein liberales und nachsichtiges Verhalten gegenüber dem Islam (Appeasement) den Islamismus erst hervorgerufen habe. Aber nicht der Islamismus sei das eigentliche Problem, sondern der Islam als intolerante Religion an sich....mehr hier:

http://saf2009.blog.de/2015/01/31/schlimmste-steht-bevor-wahrheit-20036734/

Paul Haverkamp
01.02.201515:01
Genauso wie die Bibel ist der Koran ein Glaubensbuch, in dem Menschen in ihrer jeweiligen Zeit ihr Verhältnis zu Gott formuliert haben.

Wenn man sich den Gesamttext aller Glaubensbücher anschaut, dann wird sehr deutlich, dass unterschiedliche soz., geschichtl. und polit. Situationen auch immer wieder dafür verantwortlich sind, dass Menschen ihr Verhältnis zu ihrem jeweiligen Gott als sehr ambivalent und teilweise auch widersprüchlich empfunden haben.

Wir benötigen somit für den heutigen gesellschaftl. Kontext nachvollziehbare und vom Geist der Aufklärung geprägte Reformulierungen der Hl. Schriften aller Religionen. Fundamentalistische Wortgläubigkeit führt zum Schüren von Vorurteilen, Ausgrenzungen, Überlegenheitsgefühlen einer sich im Monopolbesitz der göttl. Wahrheit wähnenden Splittergruppe, die vom fanatischen Willen beseelt ist, die „Ungläubigen“ zu beseitigen.

In nuce: Meine Forderung lautet: Aufklärung statt Fundamentalismus!