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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

Hat Hass eine Religion?

von Claudia Mende vom 30.01.2015
Wenn Terroristen sich aus dem Wortschatz des Islams bedienen, heißt das noch lange nicht, dass sie Muslime sind. Über die perfide Taktik des islamistischen Terrors

Nach dem Schock und dem Entsetzen über die brutalen Morde von Paris hat die Diskussion über die Ursachen begonnen. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wird Terrorismus unter religiösen Aspekten analysiert. In Europa hat das zum Teil heftige Islam debatten ausgelöst, weil die Täter sich selber aus dem Wortschatz des Islams bedienen. Doch nach Paris zeigt sich, dass die Diskussion über religiöse Fragen zu kurz greift. Man geht den Tätern auf den Leim, wenn man über ihrer religiösen Rhetorik die sozialen und politischen Ursachen von Dschihadismus missachtet.

»Wir sollten Terrorakte nicht als Teil der Islamdebatte, sondern als politische Ereignisse diskutieren«, fordert der Politikwissenschaftler Farid Hafez von der Universität Salzburg. »Wir machen es uns zu leicht, wenn wir die Anschläge mit dem Islam erklären.«

Die Täter von Paris kamen aus Frankreich, sie wurden dort geboren, wuchsen in den Banlieues, den Vorstädten, auf und sprachen Französisch. Die Frage ist doch: Was konnte eine dermaßen große Wut bei ihnen auslösen, dass sie ein Blutbad in der Redaktion von Charlie Hebdo und einem koscheren Supermarkt anrichteten? Der französische Soziologe Michel Wievorka hat sich seit Jahren intensiv mit den Ursachen von islamistischer Jugendgewalt in den Stadtvierteln der Migranten beschäftigt. Für ihn ist offensichtlich, dass nicht Religion, sondern das Empfinden radikalen Ausgeschlossenseins die Hauptursache islamistischer Gewalt ist. »Das sind keine jungen Männer, die jahrelang heilige Texte studieren, bevor sie sich radikalisieren«, sagte der Jude Wievorka in einem Interview. Im Gegenteil, sie hätten oft eine Karriere als Kleinkriminelle oder Drogenhändler hinter sich, bevor sie in den Dunstkreis des Dschihadismus gerieten. Ähnlich hat sich auch der Islamismusforscher Olivier Roy geäußert. Als Hintergrund der Verbrechen spiele auch eine »Populärkultur der Gewalt« unter jungen Männern eine Rolle, die von gewaltverherrlichenden Video- und Computerspielen geprägt sei.

Es ist kein Zufall, dass sich islamistische Gewalttaten gerade in Frankreich häufen. Experten haben immer wieder auf die Probleme einer gescheiterten Integration im Nachbarland hingewiesen. Diskriminierung bei der Jobsuche, Alltagsrassismus und Gettoisierung in den Banlieues werden durch die Wirtschaftskrise verstärkt und führen zu einem weit verb

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