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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2015
Hat Hass eine Religion?
Die perfide Taktik des islamistischen Terrors
Der Inhalt:

Märtyrer! Märtyrer?

von Thomas Seiterich vom 30.01.2015
Vom Heiligen Stephanus bis zu den Selbstmordattentätern der Gegenwart: Wie wird man im Christentum Märtyrer – und wie im Islam?

Dieser Tage – so berichten die Agenturen – habe in Nigeria eine Zehnjährige als Selbstmordattentäterin zahlreiche Christen und Muslime mit in den Tod gerissen. Ihr Auftraggeber, die islamistische Terrortruppe Boko Haram, preise sie nun als Märtyrerin. Auch die islamistischen Mörder bei Charlie Hebdo und dem jüdischen Supermarkt in Paris behaupteten vor ihrem Tod von sich, sie seien Märtyrer.

Wir wird man ein Märtyrer? Definieren der sunnitische Islam und das Christentum die Märtyrerschaft gleich?

Leicht haben es die Christen in dieser Frage. Denn ihre alten Kirchenväter wie zum Beispiel Ignatius von Antiochien haben im zweiten Jahrhundert ausgiebig diskutiert, ob ein Christ durch eine Provokationstat ein Märtyrer werden könne oder nicht. Den Kontext bilden die Verfolgungen im Römischen Reich, als Christen vor die Wahl gestellt waren, das vom Staat geforderte Kaiserkult-Opfer zu leisten oder es zu schmähen – und damit zu sterben oder zu überleben. Die Kirchenväter fanden eine Einigung, die in der ganzen Christenheit bis heute gilt: Märtyrer wird nicht, wer den Tod aktiv sucht, sondern nur, wer sein Leben verliert für den Glauben.

Abgewichen hiervon sind nur wenige: 49 Christen im Kalifat Córdoba, die zwischen 851 und 859 den Islam offen schmähten mit dem Ziel, als Märtyrer getötet zu werden; was auch geschah.

Die theologische Übereinkunft im Christentum sowie die Glaubenslehre, dass man keinesfalls sein Leben im Suizid wegwerfen dürfe, weil es das große Geschenk Gottes sei, sorgte dafür, dass es in der Zweiten Intifada der Palästinenser gegen Israels Armee vom Herbst 2000 bis 2005 praktisch keine Christen als Suizidbomber gab – sondern fast nur Sunniten.

Im Weltislam läuft aktuell unter Theologen eine kontroverse, spannende Debatte über die Frage, ob Suizidattentäter als »Schahid«, also Märtyrer, direkt ins Paradies gelangen oder nicht. Die Al-Azhar-Universität, führende Autorität im sunnitischen Islam, verwirft die von Islamisten und Dschihadisten verübten Selbstmordattentate. Dagegen preisen Hamas-Theologen die Selbstmordattentäter als islamische Märtyrer, zum Beispiel der Hamas-Gründer, Scheich Ahmed Yasin, der 2004 in Gaza von Israels Militär getötet wurde. Denn Selbstmordat

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