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»Nicht zu fassen, was Bischöfe gesagt haben«

Jüngst ist die Welt-Jugendsynode in Rom zu Ende gegangen. Die Generation U-35 debattierte heftig mit der Generation Ü-70: den Bischöfen der römisch-katholischen Kirche. Was wird sich jetzt ändern? Fragen an Thomas Andonie, den Vorsitzenden des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ)
von Anne Strotmann vom 08.11.2018
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Auf Augenhöhe? Thomas Andonie (ganz links) überreicht Papst Franziskus Post von Jugendlichen aus Deutschland. (Foto: Vatican Media)
Auf Augenhöhe? Thomas Andonie (ganz links) überreicht Papst Franziskus Post von Jugendlichen aus Deutschland. (Foto: Vatican Media)

Publik-Forum: Herr Andonie, Sie waren vier Wochen lang in Rom, um an der Jugendsynode teilzunehmen. Wie ist es Ihnen ergangen?

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Thomas Andonie: Es war ein Wechselbad der Gefühle. In der Synodenaula saßen rund 350 Leute aus der ganzen Welt, die alle ihren Glauben unterschiedlich kommunizieren und ganz andere Lebenswirklichkeiten haben. Besonders erschüttert hat mich das Statement eines jungen Irakers, der nur einen Wunsch hatte: Frieden. Bei manchen Statements von Bischöfen konnte ich nicht fassen, dass sie das gerade wirklich gesagt haben. Da war ich richtig entsetzt.

Wie sah Ihr typischer Tagesablauf aus?

Andonie: Ich bin um sechs Uhr aufgestanden, dann habe ich mich mit den Kollegen im »Romeoffice«, unserer BDKJ-WG in Rom, besprochen, was ich zum Beispiel in die Arbeitsgruppe einbringe. Von neun Uhr bis halb eins saß ich im Plenum oder in der Arbeitsgruppe. Mittags bin ich mit Leuten essen gegangen, mit denen ich in Ruhe reden wollte. Mich hat interessiert, wie andere Kirche vor Ort organisieren. Wir haben auch selber kleine Gesprächsrunden organisiert, wenn wir einen Bischof oder eine Expertin interessant fanden. Um halb fünf saß ich wieder in der Aula, um viertel nach sieben war der Synodentag vorbei. Mehrmals hatten wir abends in der WG »Kirche am Küchentisch« organisiert. Dort war zum Beispiel Frère Alois aus Taizé zu Gast.

Sie waren einer der wenigen jungen Christen, die zur Synode eingeladen wurden …

Andonie: Schade, dass diese Chance verpasst wurde. Damit es wirklich eine Synode der Jugend und nicht eine Synode über die Jugend sein kann, hätten genauso viele junge Christen wie Bischöfe in der Aula beraten müssen. Die Katholische Jugend Österreich hat ihren Bischof begleitet und ihn wenigstens im Hintergrund beraten. Was diesen synodalen Weg angeht, gibt es noch Entwicklungspotenzial.

Als einer von 38 jungen Auditoren haben Sie sich lautstark eingebracht, applaudiert, wenn Sie Statements gut fanden.

Andonie: (lacht) Der Papst hat das »wunderschöne Musik« genannt …

… und gesagt, das sei seine diplomatische Formulierung für Lärm.

Andonie: Das war unsere Möglichkeit, direktes Feedback zu geben. Bei so vielen Teilnehmenden konnte man ja nicht richtig diskutieren.

Es heißt, die Kirche gibt oft Antworten auf Fragen, die Jugendliche nicht stellen …

Andonie: Die Vorsynode hat bereits deutlich gemacht, was junge Menschen von der Kirche erwarten: dass sie uns ernst nimmt, dass sie den verurteilenden Umgang mit ihrer Sexuallehre ändern muss und dass wir uns mehr Mitbestimmung für Frauen und Laien wünschen. Das habe ich auch vorgetragen. Junge Menschen wollen nicht belehrt werden, sondern begleitet.

Waren Sie damit zufrieden, wie diese Themen diskutiert wurden?

Andonie: Wenn es um voreheliche Beziehungen oder Homosexualität geht, finde ich es unangemessen, dass die kirchliche Lehre immer noch auf den Sex starrt, statt auf die Beziehungen, die junge Menschen miteinander leben. Es geht doch in erster Linie um Liebe, Verantwortung, Treue, Füreinanderdasein, Augenhöhe. Da fehlte mir der Ruck. Homosexuelle Menschen erfahren in vielen Ländern Gewalt, und die Kirche stellt sich nicht schützend vor sie, sondern schließt sie aus. Dabei ist jeder Einzelne von ihnen ein geliebter Gedanke Gottes! Wenn ich sage, in jedem Menschen begegnet mir Gott, gleichzeitig aber in der Kirche Strukturen vorfinde, die einzelnen Menschen so viel Leid zufügen, dann muss sich da was ändern! Das Abschlussdokument hält fest, dass die Kirche ihre Anthropologie unter Einbeziehung der Wissenschaft weiterentwickeln muss. Und es spricht sich deutlich gegen Diskriminierung und Gewalt aufgrund sexueller Orientierung aus.

Kurz vor der Jugendsynode wurde das ungeheure Ausmaß sexualisierter Gewalt gegen junge Menschen durch Kleriker öffentlich. Wurde auch darüber gesprochen?

Andonie: Das Thema ist prominent in das Abschlussdokument eingeflossen. Auch als katholischer Jugendverband müssen wir immer wieder unsere Strukturen überprüfen: Gibt es Räume, in denen junge Menschen sich öffnen können? Wie kann man sexueller Gewalt vorbeugen? Wie können wir lernen, darüber zu sprechen? Wie geht man mit Verdachtsfällen um? Diese Sorgfalt erwarte ich auf allen Ebenen der Kirche. Wenn in der Begleitung junger Menschen das Vertrauen kaputtgeht, ist das ein Schlussstrich für die Kirche.

Nehmen Sie den Bischöfen ab, dass sie Jugendlichen tatsächlich zuhören wollen?

Andonie: Jenen, die an der Synode teilgenommen haben, nehme ich es ab. Aber jetzt müssen Taten folgen. Ich gebe ihnen einen Vertrauensvorschuss und hoffe, dass dies auf Gegenseitigkeit beruht. Ich arbeite ja intensiv bei einer Synode mit und engagiere mich, weil mir die Kirche wichtig ist.

Was gibt Ihnen Anlass zur Hoffnung?

Andonie: Im Abschlussdokument steht: Junge Menschen sind Orte theologischer Erkenntnis. Das sagen wir in den Jugendverbänden natürlich schon lange, aber ich sehe das als Bestätigung unserer Arbeit. Wir bieten ja die Räume, wo junge Menschen erst mal angenommen werden und sich entfalten können. Der Ort, an dem junge Menschen zum Glauben finden, sind die Jugendverbände. Das müsste man international ernst nehmen und alle miteinbeziehen. Es geht nicht nur um persönliche Entwicklung, wir wollen ja eine friedliche und gerechte Welt für alle, weil wir an etwas glauben und für etwas einstehen, das größer ist als wir.

Sie haben dem Papst Post von jungen Menschen aus Deutschland überbracht. Was stand da drin?

Andonie: Ganz Unterschiedliches: Von: »Du machst einen tollen Job!« bis: »Der Zölibat muss abgeschafft werden!« Die Karte eines achtjährigen Mädchens hat mich besonders berührt: »Lieber Franziskus, ich möchte gerne Priesterin werden und wünsche mir von ganzem Herzen, dass das möglich ist, wenn ich erwachsen bin.«

Glauben Sie nach den Erfahrungen, dass die Kirche Zukunft hat?

Andonie: Eine Synode kann nicht alle Probleme lösen, aber sie legt die Grundlagen. Es gibt prophetisches Denken in den Jugendverbänden, das bestärkt uns. Es sind genug Worte ausgetauscht worden. Jetzt müssen Taten folgen.

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