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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2020
Beziehungskrise
Wie Masken, Abstand und digitale Kommunikation die Gesellschaft verändern
Der Inhalt:

Mehr Vielfalt wagen!

von Britta Baas vom 04.09.2020
Angehende Priester sollen nur noch in drei Städten studieren. Keine gute Idee, findet die Tübinger Theologin Johanna Rahner. Sie plädiert für ein grundsätzliche Neuausrichtung der Ausbildung.
Viele Platz für wenig Männer: Viele Priesterseminare, hier das Eichstätter, sind zu groß geworden (Foto: kna)
Viele Platz für wenig Männer: Viele Priesterseminare, hier das Eichstätter, sind zu groß geworden (Foto: kna)

Publik-Forum: Frau Rahner, in diesem Jahr werden in Deutschland nur 57 Männer zu Priestern geweiht. Die Zahl der Kandidaten sinkt. Kein Wunder, dass aus der Bischofskonferenz der Vorschlag kam, sie nur noch in drei Städten studieren zu lassen, um dort die Priesterseminare zu füllen.

Johanna Rahner: Vielleicht kein Wunder – aber der Vorschlag ist naiv und unüberlegt. Nur wer allein auf die Priesterausbildung blickt und Priestersein als eine herausgehobene Lebensart definiert, kann auf eine solche Idee kommen.

Aber Priester hat man doch jahrhundertelang exklusiv ausgebildet!

Rahner: Nein, das tat man bei uns erst im 19. Jahrhundert. Die exklusive Weltabgeschiedenheit der Priester passte zum Ultramontanismus und zum antimodernen Denken im Katholizismus der damaligen Zeit.

… und vorher?

Rahner: Vorher gab es unterschiedliche Arten des Zugangs zum Priesteramt. Einzelne Bischöfe finanzierten kleine Seminare, es gab aber auch das offene Theologiestudium an der Universität. Die Idee des Priesterseminars hat ihren Ursprung eigentlich in der Reformation. Auf den Bildungsschub, den sie auslöste, antwortete die katholische Kirche mit der konstruktiven »Erfindung« des Tridentinischen Seminars. Man wollte dem Bildungsvorsprung der Protestanten etwas entgegensetzen.

Sie beziehen sich auf das Konzil von Trient, Mitte des 16. Jahrhunderts.

Rahner: Ja, das Priesterseminar bot die Möglichkeit einer anständigen Ausbildung und Versorgung. Die Aufholjagd in Sachen Bildung beförderte dann bald auch der

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