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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
Der Inhalt:

»Dann würde der Vatikan explodieren«

Sag niemand, dass Du schwul bist: Homosexualität und Doppelmoral im Vatikan. Der Journalist und Soziologe Frederic Martel hat vier Jahre recherchiert. Seine Ergebnisse sind schockierend. Ein Gespräch
Lange Schleppe, edle Spitze: Kardinal Raymond Leo Burke
Lange Schleppe, edle Spitze: Kardinal Raymond Leo Burke

Publik-Forum: Herr Martel, was hat Sie veranlasst, dieses Buch zu schreiben?

Frédéric Martel: Ein Priester hat mir seine Lebensgeschichte erzählt. Zwei weitere Priester erzählten mir ähnliche Geschichten. Ich dachte mir: Entweder sind diese Männer verrückt oder hier verbirgt sich ein Thema, das weiter erforscht werden sollte.

Herausgekommen ist ein Werk, das den Vatikan in einem sehr schlechten Licht darstellt: ein Club von intriganten Heuchlern. Gab es Reaktionen aus Rom?

Martel: Erstaunlicherweise keine, auch keine rechtlichen Auseinandersetzungen. Der Papst hat gegenüber einem chilenischem Rechtsanwalt über mein Buch gesagt: Es ist gut. Alles, was darin steht, wusste ich. Das System ist also korrekt beschrieben. Ich habe 3000 Referenzen online verfügbar gemacht. Meine Interviews habe ich stets mit Zustimmung der Gesprächspartner aufgezeichnet. Wenn ich sie veröffentlichen würde, würde der Vatikan explodieren. Es sind Kardinäle und Bischöfe darunter, die sagen, dieser und jener hat mit diesem und jenem geschlafen. Das erwähne ich aber nicht. Mein Buch ist eher als soziologische Langzeitstudie zu betrachten. Es ging mir darum, ein bestimmtes System zu beschreiben.

Worin besteht dieses System?

Martel: Im Vatikan herrscht eine Homosozialität, eine einzigartige kollektive Psychologie: Priester, die unter dem Zölibat leiden, leben auf engstem Raum zusammen. Viele führen ein Doppelleben, gepaart mit einer unglaublichen Homophobie. Mir ging es darum, die Regeln in diesem Kosmos zu erforschen, nicht einzelne Menschen bloßzustellen.

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