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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Notgemeinde in Griechenland

von Hemma Papathemelis vom 19.06.2012
Zuflucht, Trost, Hilfe: Die evangelische Kirche in Thessaloniki

In Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt Griechenlands, besteht seit über hundert Jahren eine evangelische Kirche deutscher Sprache. Heute besteht die Gemeinde vor allem aus deutschen Frauen, die nach Griechenland heirateten. Der Einzugsbereich der Gemeinde umfasst ganz Mittel- und Nordgriechenland, ein Gebiet so groß wie Baden-Württemberg. Hier leben etwa 25 000 Menschen mit deutschsprachigem Hintergrund.

Oft sind die Frauen, die ihren Männern nach Griechenland folgten, kirchlich distanziert. Die Orthodoxie bleibt vielen fremd. Sie erwarten von unserer Gemeinde in Thessaloniki in erster Linie Möglichkeiten für Begegnung und Orientierung sowie Unterstützung bei der praktischen Lebensbewältigung im fremden Umfeld, also interkulturelles Lernen. In Notfällen werden soziale und diakonische Hilfen in Anspruch genommen. In der Gemeinde finden diese Frauen die einzige Institution, die sich diesen Aufgaben verpflichtet weiß und über die entsprechenden interkulturellen und sprachlichen Kompetenzen verfügt.

Die soziale Lage in Griechenland war für viele immer schwierig. Das wirtschaftliche Überleben musste stets sehr viel härter erkämpft werden als in Deutschland. Rund siebzig Prozent der Gemeindefrauen sind nicht berufstätig. Die Schuldenkrise hat die Schwierigkeiten jetzt dramatisch verschärft. Durch erhebliche Gehalts- und Rentenkürzungen, Streichung von Beihilfen, Sondersteuern auf Immobilien – die oft als Sicherheit für das Alter erworben wurden – rutschen viele unter die Armutsgrenze.

Der Großteil der Bevölkerung ist davon betroffen. Es fehlt an vielem: Medizinische Versorgung, immer schon in hohem Maße privat finanziert, wird unerschwinglich. Weiterführende Schulbildung oder ein Studium können nicht mehr bezahlt werden. Einige unserer Frauen hatten im Winter kein Geld für Heizöl. Andere können ihre Medikamente nicht mehr bezahlen. Eine Reise nach Deutschland zu Verwandten ist unmöglich geworden. Das verschärft das Gefühl der Unsicherheit und führt zu erheblichem Stress. – Die Sozialarbeiterin der Gemeinde hilft und berät. Ehrenamtliche betreuen Menschen bei chronischen Krankheiten, Behördengängen und Vereinsamung. Eine ambulante Hospizgruppe begleitet Schwerstkranke. Die Gruppe Xenonas arbeitet mit im einzigen Flüchtlingsheim von Thessaloniki. Gesprächs-, Aktions- und Kindergruppen zählen zum Kern der Kirchenarbeit. »Ohne diese Gem

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