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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 12/2012
Heilsame Netze
Warum wir andere Menschen brauchen
Der Inhalt:

Eine Klinik auf Rädern

von Bettina Röder vom 19.06.2012
Ärzte für die Dritte Welt: In den Bergen der Philippinen

»Wenn wir mit unserer rollenden Klinik auf den Philippinen unterwegs sind, ist an ein eigenes Zimmer mit einem eigenen Bett nicht zu denken«, sagt Sigrid Lorentz. Bei Hitze schützt sie das Moskitonetz, in der Regenzeit gehören Gummistiefel zur Ausstattung der Ärztin. Dann ist es oft nicht leicht, in der schwer zugänglichen Bergregion von Dorf zu Dorf zu gelangen. Das Auto der »rolling clinic« wird dann stehen gelassen, Pferde transportieren die Medikamente. Der Weg in den nächsten Ort wird zu Fuß zurückgelegt. Dort warten 80 bis 150 Menschen schon geduldig auf die »German Doctors«. Zum dritten Mal ist die Medizinerin mit dem Verein Ärzte für die Dritte Welt auf der philippinischen Insel Mindanao gewesen, hat bei jedem Einsatz gut 1500 Menschen helfen können. Die Dankbarkeit ihrer Patienten, die oft von weit her zur rollenden Klinik, einem gespendeten Landrover, kommen, hat sie für so manche Mühe entschädigt.

Die heute 71-Jährige ist eine von etwa 300 ausgebildeten Medizinerinnen und Medizinern, die in der Regel sechs Wochen unentgeltlich unterwegs sind, um den Armen der Ärmsten zu helfen: in Bangladesch, Indien, Kenia, Nicaragua, Sierra Leone oder eben auf den Philippinen. Daheim in Berlin hat die engagierte, wache Ärztin eine eigene Praxis, die sie dann in dieser Zeit schließt. Andere, die etwa in einer Klinik angestellt sind, nehmen ihren Jahresurlaub dafür. Seit 1983 gibt es den gemeinnützigen und mildtätigen Verein, der auch Partnerprojekte wie den Brunnenbau und Ausbildungsprogramme unterstützt. Er finanziert sich aus Bundesmitteln, Bußgeldeinnahmen, vor allem aber aus Spenden. »Die allerdings sind drastisch zurückgegangen«, sagt Sigrid Lorentz. Das macht nicht nur ihr Sorgen. »Wir können in der Regel nicht mehr für die sechs Monate bis zum nächsten Besuch der German Doctors Medikamente verschreiben, sondern nur für drei, weil uns das Geld fehlt«, sagt sie.

Auf ihren nächsten Einsatz auf den Philippinen freut sie sich, Vieles ist ihr schon vertraut. Doch an die bittere Armut der Menschen, die strukturbedingten Krankheiten, den Hunger der Kinder kann und will sie sich nicht gewöhnen. All das erlebt sie bei ihren Besuchen dort gleich bei der Ankunft in Velancia, einer von der Landwirtschaft geprägten Kleinstadt. In einem vom Komitee Ärzte für die Dritte Welt gebauten Armenhospital mit etwa dreißig Betten bereitet sie sich auf den Einsatz vor. Zwei p

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