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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2012
Wenn Gott nicht eingreift
Theologen suchen neue Antworten
Der Inhalt:

Kein Heim für Plastik

von Teresa Schneider vom 01.02.2012
Sandra Krautwaschl aus Graz hat den Kunststoff aus ihrem Haushalt verbannt. Ihre Einkaufstaschen sind seitdem schwerer, doch ihr Leben ist leichter
Es geht auch ohne: Die Familie trug 2009 fast alle Gegenstände aus Kunststoff in ihrem Haus zusammen und legte sie in die Scheune  (Foto: Krautwaschl)
Es geht auch ohne: Die Familie trug 2009 fast alle Gegenstände aus Kunststoff in ihrem Haus zusammen und legte sie in die Scheune (Foto: Krautwaschl)

Die bunt glänzende Plastikverpackung auf dem Küchentisch des alten Bauernhauses knistert. Sandra Krautwaschl greift hinein und schiebt sich rasch eine Portion Chips in den Mund. Kauend angelt sie sich einen weißen Stoffbeutel aus dem Karton neben ihrem Stuhl, bepinselt zwei Holzstempel dick mit Farbe und druckt kraftvoll die Worte »Change bag« auf den Stoff. Ihr Mann, Peter Rabensteiner, nippt an einem Glas Rotwein; amüsiert mustert der breitschultrige Mittvierziger den mit Taschen übersäten Küchenfußboden. Die drei Kinder sind längst im Bett. Die Zeiger der Wanduhr zeigen kurz vor halb elf.

6000 bunte Stofftaschen verteilt

Seine Frau wischt sich eine schwarze Locke aus dem Gesicht. In den vergangenen Wochen und Monaten hat die vierzigjährige Physiotherapeutin in ihrer Freizeit eine große Sammelaktion auf die Beine gestellt: Auf ihren Vorschlag hin wurden in den umliegenden Gemeinden Berge von Stofftaschen gesammelt, gestaltet, prämiert und ausgestellt. Nun stapeln sich die mehr als sechstausend bunten Taschen wieder in ihrem Haus im kleinen Dorf Eisbach in der Nähe von Graz. Sie versieht jetzt jede einzelne mit dem Logo »Change bag – Vom Kunststoff zum Echtstoff« und verteilt sie an heimische Geschäfte.

»Ich wollte in unserer Region ein Bewusstsein für den Wegwerfwahn schaffen – dafür, dass Plastiksackerl überflüssig sind.« Aha. Und wieso isst sie dann Chips aus der Plastiktüte? »Weil ich Chips nun einmal liebe«, sagt sie, »manchmal braucht es auch Mut zur Unvollkommenheit.« Sie grinst.

Aus dem Experiment wird eine Lebenshaltung

Ein Leben ohne Plastik? Im November 2009 hat die fünfköpfige Familie es einfach versuc

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