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Alles Gute, Wolfgang Kessler!

von Markus Dobstadt vom 20.05.2019
Mit einer bewegenden Matinée hat Publik-Forum Chefredakteur Wolfgang Kessler in seinen (Un-)Ruhestand verabschiedet. Wie es zu ihm passt, verabschiedete er sich mit einer großen Frage, die am Sonntag im Frankfurter Dominikanerkloster kontrovers diskutiert wurde: Was machen wir bloß mit diesem Kapitalismus?
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Das Musikkabarett Duo Camillo in action: Fabian Vogt (rechts) und Martin Schultheiß. (Foto: Ute Victor)
Das Musikkabarett Duo Camillo in action: Fabian Vogt (rechts) und Martin Schultheiß. (Foto: Ute Victor)
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Zwanzig Jahre hat Wolfgang Kessler die Redaktion geleitet. »Du warst unser Kapitän«, sagte Redakteurin Britta Baas, und verglich Publik-Forum mit einem kleinen Schnellboot: »Wir haben nicht die Wucht eines Tankers, nicht die majestätische Ausstrahlung einer Hochseejacht. Aber wir können mit Ad-hoc-Beschleunigung, Wendigkeit und einer Mannschaft punkten, die jederzeit bereit ist, von null auf hundert zu gehen.« Die Vision von einer menschenwürdigen, gerechten Welt, die Publik-Forum seit seiner Gründung vor 47 Jahren nicht aus den Augen verloren hat und mit konstruktivem Journalismus kritisch und fragend begleitet, war auch immer Kesslers Vision. »Zusammen mit dir hatten wir ein Ziel vor Augen«, sagte Britta Baas. »Eines, das uns überzeugte.« Dass das auch in Zukunft so sein werde, betonte Kesslers Nachfolger als Chefredakteur, Alexander Schwabe, in seiner Ansprache.

Davon angesteckt sind auch die Publik-Forum-Leserinnen und Leser. Mehr als 400 von ihnen waren nach Frankfurt am Main zur Matinée gekommen. Agnes Frei, Vorsitzende der Leserinitiative Publik-Forum, sagte gleich am Anfang: Die Matinée sei auch ein »Fest für die Leser«. Und das wurde es tatsächlich. Die Besucher wurden gut unterhalten, musikalisch durch das Duo Camillo, aber auch durch anspruchsvolle Reden und Debatten.

»Ist Kessler ein antikapitalistischer Umstürzler?«

Wolfgang Storz, ehemaliger Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, hatte die Aufgabe übernommen, den Abschied von Wolfgang Kessler und das Thema »Zukunft des Kapitalismus« in seiner Rede miteinander zu verbinden. »Ist Kessler ein antikapitalistischer Umstürzler?«, fragte er provokant. Für den Chefredakteur von Publik-Forum habe gegolten, eine schwierige Balance zu halten, nämlich das Medienhaus zusammen mit Geschäftsführer Richard Bähr durch Zeiten zu steuern, die vom Niedergang vieler Medien geprägt ist, in denen »die Kommunikationswelt in immer kleinere Zielgruppen« zerfällt und in der »triebhaft um Aufmerksamkeit gekämpft wird« – und gleichzeitig unabhängigen Profiljournalismus zu realisieren. Publik-Forum behaupte sich, obwohl oder weil es sich dem Trend zu Dauerinszenierung der Wirklichkeit verschließe.

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