Maria Reva: Ein Königreich für eine Schnecke
Schnecken retten, wenn die Welt zerfällt
Roman. Die Ukraine im Jahr 2022. Jewa, eine junge Forscherin, will vom Aussterben bedrohte Schneckenarten retten und birgt die letzten Exemplare in einem alten Campingbus, den sie zum Labor umgebaut hat. Ihre Anträge auf Forschungsgelder bleiben erfolglos. Bald entdeckt sie eine andere Einnahmequelle: Als vermeintliche »Braut« arbeitet sie als Köder bei einer Heiratsagentur, die ukrainische Frauen an westliche Touristen vermittelt. Dort lernt sie die Schwestern Nastja und Sol kennen. Als Jewa gefragt wird, ob sie den »Haufen toter Schnecken« wirklich noch brauche, sagt sie: »Sie sind alles, was mir noch geblieben ist.«
Auch Nastja und Sol verfolgen bei der Agentur eigene Pläne. Schließlich entführen die Frauen 13 Junggesellen, um gegen den Heiratstourismus zu protestieren. Jewas Schneckenlabor wird zum Fluchtfahrzeug. Doch dann überfällt Russland die Ukraine.
Ein Königreich für eine Schnecke ist der erste Roman der ukrainisch-kanadischen Autorin Maria Reva. Sie schreibt mit großem Einfallsreichtum, Mut zur Groteske und Humor über ein ernstes Thema. Denn der russische Angriff verändert nicht nur das Leben ihrer Figuren, sondern auch das Buch selbst. Reva unterbricht die Handlung mit einer Meta-Erzählung: Kann sie die Geschichte angesichts des Krieges einfach so weitererzählen?
Reva stellt Bilder der Gewalt neben lebendige Schönheit. Als der erste tödliche Schuss fällt, erwacht eine totgeglaubte Schnecke zum Leben. Die bedrohten Tiere werden zum Motiv für Verlust, Bewahrung und Überleben. Ernst und Komik liegen in diesem außergewöhnlichen Roman dicht beieinander.

