Ausstellung: Plattenbau
Wie Plattenbauten ein ganzes Land veränderten
Ausstellung. Plattenbauten haben wegen ihrer architektonischen Monotonie einen schlechten Ruf. Warum baute man so? Was waren Vor- und Nachteile? Darum geht es in der Ausstellung »Platte Ost/West« im Stadtmuseum Dresden.
In der DDR entstanden ab 1970 über 600 000 Wohnungen in der sogenannten WBS-70-Bauweise: Vorgefertigte Bauteile und standardisierte Wohnungstypen ermöglichten, vor allem Drei-Raum-Wohnungen schnell, günstig und in großer Zahl zu errichten. Doch die »Platte« war kein rein ostdeutsches Phänomen. Auch in Westdeutschland entstanden zahlreiche Großsiedlungen, allerdings mit anderen Bausystemen und deutlich mehr Varianten.
Diese Unterschiede nimmt die Ausstellung in den Blick. Sie führt durch die Geschichte des Plattenbaus in Ost und West, zeigt Architekturmodelle zum Anfassen, originale Bauteile und typische Wohnlandschaften. Besonders eindrucksvoll ist eine Installation der Berliner Künstlerin Annett Zinsmeister: In ihrem Spiegelkabinett »Plattenbau Vertigo« verschwimmen Fotografien der DDR-Plattenbauten zu einer schwindelerregenden Raumlandschaft.
Auch die Menschen, die Plattenbausiedlungen bewohnen, kommen zu Wort. Manche wünschen sich besseren Schallschutz, Barrierefreiheit und mehr Grün – andere berichten von den positiven Seiten des Zusammenlebens. In Endlosschleife läuft ein Musik-Video des Rappers T. Wonder aus dem Jahr 2008: »Plattenbau, Plattenbau, Plattenbau, du bist meine Heimat, ich lebe hier, du bist meine Heimat, ich steh zu dir.«
Zum Abschluss fragt die Ausstellung nach der Zukunft des sozialen Wohnungsbaus. Könnte serielles Bauen auch heute eine Antwort auf knappen und teuren Wohnraum sein?

