Lebenslehre
Eine Theologie des Spürens, sagt er. An der habe er über Jahre gearbeitet. Jetzt ist sie ein dickes Buch geworden. Eine – kann man das noch so nennen? – Dogmatik der Zukunft, die all die klassischen Lehrstücke (Gott, Jesus, Heiliger Geist, Sünde, Sakramente und so weiter) völlig neu deuten will, ausgehend von der Erfahrung leiblichen Spürens. Und die damit eigentlich gar keine Dogmatik mehr ist, denn Dogma kommt nun mal von »Lehre« und nicht von »Spüren«. Klaas Huizing ist der Autor dieses dicken Buchs. Und all das, was er schreibt, klingt so ungewöhnlich. Das interessiert mich! Dogmatik hat doch sonst mit dem zu tun, was ich »zu glauben«, nicht, was ich zu spüren habe! Und ich kenne viele, die ein sicheres Gespür dafür zu haben glauben, dass sich in den Gedankengebäuden der Kirchen lauter Dinge angesammelt haben, die längst nicht mehr stimmig sind. Ein historisch gewachsenes Bild von einem Gott, der erst versöhnt werden muss, damit er der »liebe Gott« wird. Ein historisch gewachsenes Bild vom Menschen, der seit dem Sündenfall Sünder ist und erst gerettet, erlöst werden muss und das auch noch durch den Opfertod des Gottessohnes. Die Theologie des Spürens von Klaas Huizing heißt auch nicht mehr »Glaubenslehre« oder »Dogmatik«, sie heißt »Lebenslehre«. Inwiefern muss man leben lernen?
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