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Ein Buch fürs Leben …
Die Empörung der Mütter

von Norbert Copray vom 17.01.2024
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Menschen umringen einander. »Die Mütter« heißt der Holzschnitt (1921/1922). Zwei kleine Kinder schauen aus dem Schutzwall der Mütter heraus; eins schaut mich direkt an. Herzzerreißend empfinde ich es. Viele Holzschnitte, Lithografien, Radierungen, Zeichnungen und Plastiken der Künstlerin Käthe Kollwitz (1867-1945) berühren mich tief. Und passen für mich genau in unsere Zeit mit ihrem Kriegsgeschehen, ihren Fluchtbewegungen, ihrer wachsenden Armut und ihren nationalistischen bis rassistischen Entwicklungen. »Turm der Mütter« heißt eine Plastik in Bronze (1937/1938). Die Idee dazu kommt Käthe Kollwitz schon 15 Jahre früher zu den »im Kreis stehenden Mütter, die ihre Kinder verteidigen«, so Kollwitz in ihrem Tagebuch. »Im Vergleich zum Holzschnitt aus der Folge ›Krieg‹ hat sich der defensiv-ängstliche Ausdruck in offensive Entschlossenheit gewandelt. Dies wird besonders deutlich an der sich frontal nach außen wendenden Frau, die breitbeinig und auf festem Stand der Gefahr entgegensieht und die Arme schützend nach hinten über die Kinder breitet«, schreibt das Käthe-Kollwitz-Museum in Köln dazu. Eine Faust ragt aus dem Turm der Mütter heraus: gegen Krieg, gegen Armut, gegen Nationalsozialismus, gegen die Bedrohung und Verwundung der Kinder und ihrer Mütter. Aus dem Käthe-Kollwitz-Museum in Berlin ist das jüngst erschienene Buch »Käthe Kollwitz« der Museumsdirektorin von Josephine Gabler (Klinkhardt & Biermann, 80 Seiten mit 56 Farbabbildungen), durch das ich Kollwitz wieder neu entdeckt habe. Ihre Skulptur »Trauernde Mutter mit ihrem toten Sohn« in der Berliner Neuen Wache, die Käthe Kollwitz dezidiert ihrem gefallenen jüngsten Sohn Peter Kollwitz (1896-1914) widmete, der wenige Tage nach seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg ums Leben kam, kannte ich schon lange. Auch ihr Plakat »Nie wieder Krieg« (1924). Es müsste jetzt auf allen Werbeflächen in allen Ländern gezeigt werden, denn es ist eine notwendige, berechtigte, eine empörte Aufforderung. Berühmt wurde Käthe Kollwitz erstmals auf der großen Berliner Kunstausstellung 1898 mit ihrem Zyklus »Ein Weberaufstand« (1893-1897), den sie der Inspiration durch das Drama des mit ihr befreundeten Gerhard Hauptmann verdankt. Käthe Kollwitz zeigt allerdings einen fiktiven Weberaufstand, um auf das Arbeiterelend aufmerksam zu machen. Mich ergreifen auch die Radierungen »Frau mit totem Kind« (1903), »Liebespaar« (1913/1915) und der Holzschnitt »Hunger« (1922). Das Buch bietet eine kleine Werk- und Bildbiografie der Künstlerin, die mich noch tiefer in ihr Werk und Leben eintauchen lässt. Emotionale Erschütterungen durch Kollwitz‘ Leidenschaft gegen Krieg und Armut. Das Gesamtwerk von Käthe Kollwitz besteht aus Tausenden Zeichnungen, fast 300 Druckgrafiken und Plakaten sowie etwa 40 plastischen Arbeiten. Sie beschäftigte sich ausschließlich mit der Darstellung des Menschen, schilderte deren Not und Freude in unverwechselbarer Bildsprache. Berührend.

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Schlagwörter: Armut Krieg
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