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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2019
Die Kunst, den Kapitalismus zu verändern
Eine Annäherung in fünf Schritten
Der Inhalt:

Weiblich, katholisch – ohnmächtig?

von Geneviève Hesse vom 31.05.2019
Der bundesweite Frauenstreik in der katholischen Kirche hat Maßstäbe gesetzt. Bewegt sich die Hierarchie jetzt? Einst gab es mächtige Frauen in der katholischen Kirche. Höchste Zeit, sie als Vorbilder ins Gedächtnis zu rufen
Protest der Frauen: Mitte Mai zeigten in ganz Deutschland Katholikinnen, dass sie sich nicht den Mund verbieten lassen von ihrer Kirche. (Foto: kna)
Protest der Frauen: Mitte Mai zeigten in ganz Deutschland Katholikinnen, dass sie sich nicht den Mund verbieten lassen von ihrer Kirche. (Foto: kna)

Sie bekommt einen prunkvollen, rot-goldenen Ring, eine Mitra und einen Stab. Bei der Zeremonie sind die höchsten Würdenträger des Landes dabei. Und alles, was zu einer Weihe gehört: Handauflegung, Weihrauchschwaden, Geschwisterkuss mit Bischöfen. Zum Schluss sitzt die Frau auf einem Thron unter einem Baldachin. Eine erfundene Szene? Keineswegs. Fast sieben Jahrhunderte war die Liturgie der Äbtissinnenweihe wie eine Bischofsweihe ausgestaltet. Und nicht nur das. In manchen Frauenklöstern agierte die Äbtissin wie ein Bischof: Sie setzte Pfarrer ein, erließ Katechismen, gab die Erlaubnis für Eheschließungen, verkündete das Evangelium und predigte in der Messe. Erst im 20. Jahrhundert wurden aus dem Ritus der Äbtissinnenweihe peinlichst alle Elemente eliminiert, die auch nur entfernt an die Bischofsweihe erinnerten. Das hat der Münsteraner Kirchenhistoriker Hubert Wolf detailliert erforscht.

Katholische Frauen, die sich zunehmend weniger mit der Geschlechterungerechtigkeit in ihrer Kirche abfinden, bestärkt der Befund: Katholikinnen mit Einfluss gab es schon einmal. In der Frühzeit des Christentums übernahmen Diakoninnen wichtige Aufgaben in der Kirche. Und seit Papst Franziskus Maria Magdalena mit einem eigenen Festtag zur »Apostola Apostolorum«, zur Apostelin der Apostel, erhoben hat, können selbst hartgesottene katholische Traditionalisten nicht mehr leugnen: Es gab mindestens ein weibliches Pendant zu den zwölf Aposteln um Jesus herum. Franziskus’ Geste schlug keine Wellen, setzte aber ein Zeichen. Immerhin hatte Papst Johannes Paul II. 1994 die Diskussion um den Zugang von Frauen zu Weiheämtern für beendet erklärt und verfügt, »dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben«. Zur Begrün

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