Wenn der Vater mit dem Sohne ...
Ich wusste, ehrlich gesagt, bis gestern noch nicht, was ich am Vatertag mache. Meine Frau muss einen Partner für das verwitwete Kaninchen suchen, meine ältere Tochter jobbt in einem Ausflugslokal. Sollte ich meine jüngere Tochter zur Radtour überreden? Spontan mit Freunden, Bollerwagen und Bier durch die Lande ziehen? Oder … in den Gottesdienst gehen?
Christi Himmelfahrt: Einen merkwürdigeren Feiertag als diesen gibt es wohl nicht. In der Schweiz heißt er noch bildhafter »Auffahrt«. Seit dem vierten Jahrhundert feiern ihn die Christen, immer vierzig Tage nach Ostern. In der Bibel steht, dass Jesus vor den Augen seiner Jünger »entrückt« wurde: Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Doch was soll mir diese Geschichte heute sagen? Meinen Kindern kann ich damit nicht kommen. Auch sonst glaubt wohl niemand, dass Jesus tatsächlich gen Himmel fuhr. Die Kirchen deuten heute das Geschehen als Symbol. Die Himmelfahrt stehe für Wandlung und spirituelle Entwicklung der Persönlichkeit. Und sie verbindet einen Vater mit seinem Sohn: Jesus kehrt zurück zu dem, der ihn einst zu den Menschen sandte. Die Himmelsleiter wird aufgerichtet und angelegt. Was für ein Bild! Vielleicht werde ich mir in einem Gottesdienst das Unerklärliche doch mal erklären lassen.
Warum christliche Feiertage Sinn machen
Im Mittelalter wurden in manchen Kirchen an an diesem Tag Jesus-Figuren ins Gewölbe hinaufgezogen – und auch Teufelsgestalten herabgestürzt. Das war bildhaft und drastisch. Und heute? Um Glauben und Kirche wird derzeit gerungen wie nie. Darum, dass Frauen in der römisch-katholischen Kirche keine Diakoninnen oder Priesterinnen werden dürfen (gerade erst hat die Initiative Maria 2.0 für Reformen gestreikt). Darum,dass Priester nicht heiraten sollen. Darum, dass beiden Kirchen ihre Mitglieder in Massen abhanden kommen. Dass evangelische Dürre und katholische Härte herrschen. Und dass die Kirchen sich wandeln müssen.
Umso wichtiger, dass ich mir klar werde: Welchen Wert hat der Glaube überhaupt? Für mich bedeutet er, sich in Meditation und Stille Gott zu nähern. Einerseits. Aber Glaube ist auch immer Gemeinschaft. Es ist daher gut, dass es Feiertage gibt. Solche, an denen mir Zeit bleibt zum Nachdenken. Zeit zum Feiern. Und Zeit für Gott. Ein Feiertag unterbricht meinen Alltag. Sogar so ein schwer zu verstehender wie Christi Himmelfahrt.
Gehen wir also Radfahren! Ziehen wir mit dem Bollerwagen los! Und prosten wir Gott zu. Unsere Freundschaft soll leben!
