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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2016
Schwierige Schüler
Ausrasten, stören, treten: Ein Fall für die Sonderschule? Eine Lehrerin sagt Nein
Der Inhalt:

»Meinen Frieden gebe ich euch«

von Eugen Drewermann vom 13.05.2016
In Zeiten des Krieges scheint die Logik der Gewalt alternativlos. Doch kann man Hass mit Hass besiegen? Ein theologischer Zwischenruf von Eugen Drewermann
Leidenschaft für den Frieden: Der Pazifismus der Friedensbewegung wird gerne als idealistisch belächelt. Doch er ist eine politische und religiöse Kraft, die das Zusammenleben der Völker verändern kann (Foto: alphaspirit/Fotolia)
Leidenschaft für den Frieden: Der Pazifismus der Friedensbewegung wird gerne als idealistisch belächelt. Doch er ist eine politische und religiöse Kraft, die das Zusammenleben der Völker verändern kann (Foto: alphaspirit/Fotolia)

Beim Thema Krieg und Friede verhält es sich wie auch sonst: Man muss an dieser Welt schon leiden bis zum Äußersten, um das, was Jesus uns zu sagen hat, als notwendig zu nehmen. Sonst werden wir der Spirale der Gewalt nichts entgegensetzen können. Wir werden sie realpolitisch hinnehmen, bedauernd zwar, jedoch als unabänderlich betrachtend. Und dabei verraten wir das pazifistische Erbe Jesu. Denn es gibt keine christliche Rechtfertigung von Gewalt und Krieg. Die jesuanische Gewaltfreiheit ist radikal. Der Pazifismus ist keine Randbotschaft des Evangeliums, sondern die Konsequenz der zentralen Bergpredigt und des auf Feinde ausgeweiteten Liebesgebotes.

Christliche Parteien und das Gleichgewicht des Schreckens

Krieg und Gewaltanwendung soll es nach dem Willen Jesu nicht geben. Die Alte Kirche erlaubte es daher nicht, dass ihre Mitglieder Kriegsdienst leisteten oder Soldaten wurden. Das ist zwar lange her. Aber man sollte sich daran erinnern – in Zeiten, in denen die Kriegslogik als alternativlos dargestellt wird und Militarismus Einzug in das Denken hält.

Die »christlichen« Parteien waren es, die uns während des Kalten Krieges gepredigt haben, dass man Soldat sein müsse, um in einem Gleichgewicht des Schreckens den Ausbruch eines Krieges zu vermeiden. Bis hin zu einem ABC-Krieg mit kalkulierten 200 Millionen Toten in der Anfangsphase mussten wir gerüstet sein, um verantwortlich den Friedensdienst mit der Waffe zu leisten. »Kein Katholik hat das Recht, im Falle eines ungerechten Angriffs (vonseiten Russlands) sich auf sein Gewissen zu berufen und den Wehrdienst zu verweigern«, erklärte Papst Pius XII. in seiner Weihnachtsansprache 1955. Wehrdienstverweigerer hätten ein »irri

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