Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 17/2019
Höhenglück
Warum uns die Alpen so faszinieren
Der Inhalt:

»Der Staat ist religiös blind«

von Alexander Schwabe, Michael Schrom vom 08.09.2019
Kreuze in Klassenzimmern, Kirchenasyl und Feiertagsruhe: Immer mehr religiös grundierte Streitfragen landen vor Gericht. Der Verfassungsrechtler Horst Dreier im Gespräch mit dem Kirchenrechtler Thomas Schüller über das zunehmend schwierige Verhältnis von Kirche und Staat
Staat ohne Gott?: Verfassungsrechtler Horst Dreier und Kirchenrechtler Thomas Schüller in Würzburg (Foto: Patty Varasano)
Staat ohne Gott?: Verfassungsrechtler Horst Dreier und Kirchenrechtler Thomas Schüller in Würzburg (Foto: Patty Varasano)

Publik-Forum: Herr Professor Dreier, Herr Professor Schüller, zwischen Staat und Kirche kommt es vermehrt zu Interessenkonflikten. Immer mehr Streitfälle mit religiösem Hintergrund landen vor Gericht, viele haben das Gefühl, dass die Kirchen Privilegien genießen, die ihnen nicht länger zustehen sollten. Was ist da los?

Horst Dreier: Wenn sich der gesellschaftliche Hintergrund ändert, erreicht dies früher oder später auch die Rechtsprechung. In einer multikulturellen und multireligiösen Gesellschaft gibt es mehr Akteure auf dem Feld – auch selbstbewusst auftretende Konfessionslose. Alte Fragen brechen auf und müssen neu verhandelt werden.

Nennen Sie uns ein Beispiel?

Dreier: Der Protest gegen die sogenannten stillen Feiertage. Da wird bewusst eine Tanzparty angemeldet, die prompt verboten wird. Dagegen klagt man durch alle Instanzen. In der Summe führt der Konflikt zwischen religiösen Bedürfnissen und einer weitgehend säkularen Gesellschaft zu der Frage, ob man das Verhältnis von Staat und Kirche nur renovieren muss oder ob es ein Großreinemachen braucht.

Das Staatskirchenrecht geht auf die Weimarer Verfassung zurück. Die Trennung von Staat und Kirche ist darin nicht konsequent erfolgt. Ist das heute noch zeitgemäß?

Dreier: Mit der sogenannten hinkenden Trennung von Staat und Kirche hatte man 1919 einen Kompromiss gefunden, der 1949 mit wenigen Modifikationen übernommen wurde. Die »hinkende Trennung« ist kein strikter Laizismus, sondern ermöglicht Zusammenarbeit und flexible Lösungen in gegenseitigem Respekt. Meine These ist: Wenn das System nicht

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.
Georg Lechner
14.09.201910:09
Die Professoren Dreier und Schüller gehen von einem politisch unbeeinflussten Staatsapparat aus. Das ist in der Realität jedoch nicht gegeben, sonst könnte es beispielsweise keine Abschiebungen nach Afghanistan geben, keine Waffenexporte in Kriegs- und Spannungsgebiete und vieles mehr. Mit dem Beispiel der "Religionsprüfung", die sie zu recht ablehnen, zeigen sie ja selbst, dass die weltanschauliche Neutralität realiter nur eine Fiktion ist. In der Bevölkerung wird immer weniger verstanden, dass gut integrierte flüchtlinge abgeschoben werden, als Straftäter erkannte Zeitgenossen (wie Anis Amri) aber angeblich nicht abgeschoben werden konnten. Das stinkt irgendwie nach Absicht, Beispiele gelungener Integration aus dem Sichtfeld zu entfernen und zu hoffen, mit Anschlägen eine xenophobe Stimmung befeuern zu können.