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Publik-Forum, Heft 22/2019
Die Zerreißprobe
Die Theologen Nikolaus Schneider und Dietmar Mieth hatten eine klare Haltung ...
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Die Zerreißprobe

von Hartmut Meesmann vom 22.11.2019
Muss man alles tun, um am Leben zu bleiben? Oder darf ein kranker Mensch auch ablehnen, was medizinisch möglich ist – und sein Leben sogar selbst beenden? Zwei Theologen sind sicher, was richtig ist. Bis ihre Frauen an Krebs erkranken
Die Zerreißprobe: Eine Krebsdiagnose ist ein Schock für alle Beteiligten. Alte Gewissheiten werden in Frage gestellt. (Foto: 24BY36 / Alamy Stock Photo
Die Zerreißprobe: Eine Krebsdiagnose ist ein Schock für alle Beteiligten. Alte Gewissheiten werden in Frage gestellt. (Foto: 24BY36 / Alamy Stock Photo

Der Schock ist groß. Anfang Dezember 2016: Wegen starker Schmerzen im Rücken begibt sich Irene Mieth ins Krankenhaus. Die Diagnose: Brustkrebs, streuend in die Wirbelsäule. Die Ärzte raten zu einer raschen »operativen Stabilisierung«. Doch Irene Mieth sagt nein. Die 73-jährige Oberstudienrätin will lieber sterben. Sie möchte nicht dahinsiechen. In ihrem Tagebuch, das sie zu dieser Zeit beginnt, schreibt Irene Mieth: »Ich vertraue meinem Mann, dass er … seinen Wunsch nach meinem Überleben, unter Umständen auch mit Einschränkungen und Pflegebedarf, hinter meinen Wunsch nach dem Abschluss eines erfüllten Lebens zurückstellt.«

Für Dietmar Mieth, den langjährigen Professor der katholischen Moraltheologie in Tübingen, ist es »eine der härtesten Situationen« seines Lebens: »Ich muss die Selbstbestimmung meiner Frau intensiv verteidigen, obwohl ich für mich selbst in diesem Fall die Operation gewählt hätte.« Mit diesen Worten umreißt Mieth seine Befindlichkeit in dem Buch »Sterben und Lieben«. Es enthält das bewegende Tagebuch seiner Frau, er selbst erzählt darin von der Zeit bis zu ihrem Tod am 17. Januar 2017; und er reflektiert einige grundsätzliche Fragen, die sich rund um das selbstbestimmte Sterben stellen.

Dietmar Mieth hat sich als Sozialethiker einen Namen gemacht. Er ist unter anderem Mitglied der Ethikkommission des Bundesgesundheitsministeriums und der Enquetekommission Ethik und Recht der modernen Medizin des Deutschen Bundestages. Mieth verteidigt die Notwendigkeit sozialethischer Normen, die den Wert des Lebens und darin die Menschenwürde schützen – eingeschlossen ein humanes Sterben und einen menschenwürdigen Tod. Aktive Sterbehilfe und ge

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Georg Lechner
30.11.201916:58
Ich bevorzuge auch die Maxime von Dietmar Mieth gegenüber der von Immanuel Kant.