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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 8/2020
Erlöse mich aus meiner Angst
Über die therapeutische Wirkung der Religion
Der Inhalt:

Der amerikanische Messias

von Dorothea Hahn vom 12.05.2020
Trotz Lügen und Missmanagement halten viele Christen in den USA nach wie vor zu Donald Trump. Warum?
Gottähnliches Selbstbewusstsein: Donald Trump ist für viele Evangelikale der Präsident ihrer Gebete (Foto: pa/ap/Brandon)
Gottähnliches Selbstbewusstsein: Donald Trump ist für viele Evangelikale der Präsident ihrer Gebete (Foto: pa/ap/Brandon)

Donald Trumps Lotterleben liegt wie ein offenes Buch vor seinen Landsleuten. Dazu gehören seine Frauen (Gattinnen, Geliebte und Frauen, die er sexuell belästigt hat), seine Spekulationen und dubiosen Geschäfte (inklusive solche, die ihn vor Gericht gebracht haben), seine radikalen Kehrtwenden (darunter vom Demokraten zum Republikaner und vom Befürworter des Rechts auf Schwangerschaftsabbruch zum »Lebensschützer«) und seine täglich neuen Lügen, verächtlichen Worte und Hetzereien auf Twitter. Dennoch folgen ihm ausgerechnet die sittenstrengsten Christen in den USA ohne Wenn und Aber. Für mindestens zwei Drittel der weißen Evangelikalen ist Trump exakt der Präsident, für den sie ein Leben lang gebetet haben. Sie sind völlig unbeeindruckt von den Mueller-Ermittlungen über russische Einmischungen, von der Anklage des Repräsentantenhauses wegen Machtmissbrauchs und auch von Trumps kalamitösem Management der Virus-Epidemie.

Führende Evangelikale, darunter Pastoren und Fernsehprediger, aber auch Außenminister Mike Pompeo, legen nahe, dass Gott Trump geschickt habe. »Der Lord ist hier am Werk«, sagte Pompeo im März in einem Interview mit dem »Christian Broadcasting Network«. Vizepräsident Mike Pence, ein ehemaliger Katholik, der zu den Evangelikalen konvertiert ist, nennt Trump »einen großen Champion des Glaubens«. Und Robert Jeffress, Pastor in einer Megakirche in Dallas, schwärmt, »wir hatten nie zuvor einen Präsidenten mit so vielen natürlichen Gaben«. Der Pastor begleitet Trumps Weg schon lange. Er nennt Mormonen »eine Sekte«, den Islam eine »böse Religion«, und Homosexuelle führen nach seinen Worten »ein elendiges und schmutziges Leben«. Als die USA ihre Botschaft in Jerusalem im Mai 2018 eröffnen, darf Jeffress zusammen mit einem

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