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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 15/2019
War Goethe Muslim?
Fasziniert vom Islam: 200 Jahre West-östlicher Divan
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Das Geheimnis der Freundschaft ...

von Joachim Negel vom 10.08.2019
… und was das mit Gott zu tun hat
»Die Freunde«: Ein Werk von Ernst Ludwig Kirchner, 1927/29 (Foto: akg)
»Die Freunde«: Ein Werk von Ernst Ludwig Kirchner, 1927/29 (Foto: akg)

Freundschaft. Kaum ein anderes Thema weckt so häufig das Interesse von Soziologen, Philosophen und Kulturhistorikern. Das belegen auf eindrückliche Weise Artikelserien in überregionalen Zeitungen, Ausstellungen in großen Museen und eine kaum zu überblickende Fülle an Buchveröffentlichungen. Was aber ist das Geheimnis dessen, was die Griechen philía nannten und die Römer amicitia oder dilectio? Was eigentlich zeichnet tiefe Freundschaften aus? Worin liegt ihr innerster Glutkern?

Wen immer man fragt, als Merkmale werden genannt: wechselseitige Sympathie bis hin zur innigen Seelenverwandtschaft, vertrauensvoller Austausch von Gedanken und Gefühlen, Verschwiegenheit gegenüber Dritten, praktische Hilfeleistung im Alltag und Ähnliches mehr. Freundschaft hat elementar mit Zuneigung und Liebe zu tun. »Ich kann dich gut leiden«, sagen wir bezeichnenderweise, weshalb gilt: »Ein Freund ist jemand, der dich sehr gut kennt und dich trotzdem mag.« Das augenzwinkernde Bonmot lässt sich freilich auch umkehren und ins Innere der Selbstbeziehung verlagern. Denn es sind ja gerade die innigen Beziehungen zu meinen Freunden, die mich mir erschließen. Für mich selbst bin ich partiell blind. Niemand kann sich selber über die Schulter schauen. Niemand hört seine Stimme so, wie andere sie hören. Niemand sieht sich selber gucken.

Um sehen zu können, wer/wie ich bin, braucht es den Spiegel der anderen, vorzugsweise den des Freundes oder der Freundin. Daher die berühmte Definition des Aristoteles: »esti gàr ho phílos deúteros autós«: Es ist aber der Freund ein anderes Selbst, er ist gleichsam ein zweites Ich. Cicero, Vertreter der römischen Stoa,

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