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Dämmerschoppen, Singstunde und Skatrunde fehlen

vom 09.04.2020
von Helmut Brandt, Schwäbisch Hall

Als alter (86) Pensionär wirtschafte ich zusammen mit meiner Frau (87) bisher noch weitgehend selbstständig in unserem Reihenhäusle. Corona hat uns eine Erleichterung beschert: Jetzt wird für uns eingekauft! Zwar könnten wir das immer noch selbst, aber zum einen haben sich liebe Reihenhausnachbarn angeboten, zum anderen eine junge Dame, auf die ich noch zu sprechen komme.

Unsere Tage verbringen wir nicht sehr viel anders als »vorher«. Allerdings fehlt mir beziehungsweise uns einiges: der montägliche Dämmerschoppen des »Haller Waffenrings« (das klingt gefährlich, sind aber nur die alten Couleurstudenten – ich bin zum Beispiel Sängerschafter), weil die Wirtshäuser geschlossen sind, auch meine Stammkneipe, der Haller »Löwen«; die dienstagabendliche Singstunde in einem dörflichen Gesangverein bei Schwäbisch Hall – mit anschließender »Hocketse« – und die freitagnachmittägliche Skatrunde im Gemeindehaus unserer Kirche, bei der es auch eine Bewirtung mit Kaffee und Kuchen gab, mit wechselnder »Bedienung«. Da war oben erwähnte junge Dame auch hin und wieder dabei, mit der wir seither per Du sind – lässt uns Corona in gewisser Weise zusammenrücken? (Beim Skat ist meine Frau nicht dabei.)

Als Nachbarn tun wir nichts, es wird etwas für uns getan, und das kann man nicht genug loben! Unsere Kinder: Unsere ältere, von Geburt etwas behinderte Tochter wohnt in unserer Nachbarschaft; sie arbeitet in der Küche einer Behinderteneinrichtung und kommt am Wochenende zu uns zum Essen; unsere jüngere arbeitet in Oslo in der vegetarischen Gastronomie, und wir sind dank Facebook mit ihr in ständiger Verbindung. Mit dem Patenkind (inzwischen 62) meiner Frau besteht telefonischer Kontakt, und mit mehr Verwandtschaft stehen wir kaum in Verbindung.

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Kraft und Mut gibt uns die erwachende Natur. – Spaziergang und den Vögeln lauschen. – Gottesdienste erleben wir manchmal im Fernsehen. Unser Pfarrer verschickt seine Sonntagspredigt gedruckt oder per E-Mail. Unsere ältere Tochter hat uns eine Liste von Freunden und Bekannten aufgeschrieben, die wir anrufen sollten. Die arbeiten wir jetzt ab, froh und dankbar, bisher verschont geblieben zu sein.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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