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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Alles auf Anfang

von Michael Schrom vom 19.01.2020
Warum es sich lohnt, die Bibel immer wieder neu zu lesen
Heilige Schrift: Was sagen uns die uralten Texte der Bibel heute? (Foto: istockphoto/Alexander Kalina)
Heilige Schrift: Was sagen uns die uralten Texte der Bibel heute? (Foto: istockphoto/Alexander Kalina)

Letztes Jahr hatte ich unseren neunjährigen Sohn erstmals zur Osternacht mitgenommen. Er hatte gehört, dass vor der Kirche ein Feuer entzündet wird, und ein Gottesdienst, der mitten in der Nacht anfängt, war ihm schon deshalb sympathisch, weil er darin eine Gelegenheit sah, die leidige Diskussion um die Zubettgeh-Zeiten in seinem Sinne nach hinten zu verschieben. Ich nahm ihn also mit, und er hörte alle Lesungen, die in dieser Nacht vorgetragen wurden: Von der Erschaffung der Welt über den Auszug aus Ägypten und den Durchzug durchs Rote Meer bis hin zur Auferstehung Jesu Christi. Und auf dem Rückweg fragte er mich: »Papa, warum hört man von Gott in letzter Zeit nichts mehr?«

Er dachte natürlich zuerst an spektakuläre Wunder, die auf Gott als Urheber zurückgeführt werden. Aber seine Frage berührt tiefere Schichten. Müsste man die Heilsgeschichte Gottes nicht bis in die Gegenwart weiterschreiben? Aber kann man das überhaupt? Wenn ja, wie? Darf man zum Beispiel den Fall der Berliner Mauer dazurechnen? Wenn man das nicht kann – welchen Sinn hat es dann, sich diese uralten biblischen Geschichten immer wieder neu zu erzählen? Wie soll man sich denn einen geschichtlich handelnden Gott vorstellen? Und überhaupt: Ist es nicht ungeheuerlich, auf der Basis heutiger Welterfahrung zu behaupten, in einem historischen Dokument – nämlich der Bibel – läge der umfassende Sinn der Geschichte verborgen, der sich nach und nach genau so enthüllen werde?

All dies ging mir durch den Kopf, während ich nach einer Antwort suchte. Schließlich erzählte ich ihm, dass der Auszug aus Ägypten nicht so stattgefunden habe, wie es die Lesung ausmalt. Vielmehr sei dieser Text eine hoffnungsfrohe Befreiungsgeschi

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