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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2011
Tanz für die Liebe
Weihnachten: Gott kommt in jedem Menschen zur Welt
Der Inhalt:

Mit ruhiger Kraft

von Thomas Seiterich vom 04.05.2012
Reinhard Voß, Erwachsenenpädagoge und Gerechtigkeitsexperte, arbeitet für den Frieden im Kongo

Es gibt immer noch ein paar wenige Länder mit wackeligen, krächzenden Telefonverbindungen. Hierzu zählt der Kongo. Es ist deshalb nicht einfach, mit Reinhard Voß in Kinshasa zu sprechen. Zumal an einem Tag kurz nach den Präsidentschaftswahlen. Voß ist angespannt, weil draußen vor seinem mit Mauer und Stacheldraht gesicherten Wohnhaus die Spannungen steigen. Grund: Der von vielen vermutete Wahlsieger Etienne Tishekedi, ein ziviler, alter Demokrat, soll nicht vom erst vierzigjährigen Präsidenten Joseph Kabila um den Wahlsieg betrogen werden. In der 10-Millionen-Hauptstadt Kinshasa erhält Tishekedi 64 Prozent, Kabila nur 30. Doch in den Provinzen siegt der Präsident. Der militärisch und polizeilich starke Kabila gilt heimlich als Favorit der EU und der USA und ihrer Ausbeutungsinteressen.

Solange es auf den Straßen ruhig bleibt, erzählt Reinhard Voß: Er zog 2010 mit seiner Frau, Margret Voß-Kräling, in den Kongo. Bis 2013 hilft der erfahrene Friedensarbeiter Voß der »Kommission für Gerechtigkeit und Frieden« der kongolesischen Bischofskonferenz. Etwa beim Aufbau von Trainings in gewaltfreier Aktion, möglichst vielerorts im unwegsamen und chaotischen Riesenstaat im Herzen von Afrika.

Reinhard Voß, im Juli 1949 geboren, ist ein Mann wie ein freundlicher Bär, mit franziskanischem Gemüt, eloquent und umgänglich, doch er weiß zu Unrecht Attackierte zu beschützen. Voß wurde mit zwei Brüdern groß, auf einem Bauernhof in Lenne an der Lenne, im Hochsauerland. »Tiefschwarze, erzkatholische Gegend«, brüllt Voß durchs Telefon aus dem Kongo und lacht. »Landwirt wollte ich nicht werden, also habe ich Französisch und Geschichte studiert – damals mit Absicht keines meiner Lieblingsfächer Religion und Musik.« Als Student hat Voß in der Gruppe um den Gießener Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter die »Gemeinwesenheit von unten« entwickelt. »Dann ging alles rasch.« Voß heiratete die heutige Lehrerin Margret Kräling. »Vor vierzig Jahren. Es war die beste Entscheidung meines Lebens«, sagt Voß.

Nach dem Studium wird Voß Bildungsarbeiter auf dem Klausenhof in Hamminkeln, der Bildungsstätte der Katholischen Landjugendbewegung. Dort kommt sein Dritte-Welt-Engagement in Fahrt. Und nicht nur dies: Die junge Familie Voß zieht mit einer anderen Familie zusammen. Denn sie wollen als christliche Kommune

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