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»Nicht resignieren!«

Ärger mit dem Vatikan: Der Theologe Hans Küng darf nicht mehr im Namen der Kirche lehren. Statt zu verzagen, macht er sich zum Anwalt eines Weltethos

Die Empörung im Januar 1980 ist groß: Der renommierte katholische Theologe Hans Küng darf nicht mehr im Namen der Kirche lehren. Roms Glaubensbehörde hat vorgedacht, der Papst stimmt deren Erlass zu: Ende 1979 wird Küng kaltgestellt. Zu lange schon sind seine Lehren den Mächtigen ein Dorn im Auge.

Das Komitee zur Verteidigung der Christenrechte in der Kirche veröffentlicht in der ersten Ausgabe von Publik-Forum im Jahr 1980 einen Solidaritätsaufruf. Die Unterschriften laufen beim Theologen Norbert Greinacher in Tübingen ein. Publik-Forum berichtet in der Nummer 2/1980 ausführlich: Wie war aus dem Konzilstheologen Küng ein Geächteter geworden?

Im Juli des Jahres 1970 hatte er in seinem Buch »Unfehlbar? - Eine Anfrage« das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes in der Glaubens- und Sittenlehre bezweifelt. Dieses Papstdogma von 1870 steht bis heute wie ein Fels zwischen den Katholiken und ihrer Kirche. Denn der Versuch des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965), getragen von der Mehrheit der in Rom versammelten 2000 Bischöfe der katholischen Weltkirche, das absolutistische Recht und die Macht des Papstes durch eine synodale Gesamtordnung abzulösen, scheiterte durch päpstliche Intervention: Papst Paul VI. legte gegen diese Reform am Ende des Konzils sein Veto ein. Im Klima der allgemeinen Begeisterung über viele andere Reformbeschlüsse wurde dieser Skandal öffentlich aber kaum beachtet.

Mit Küngs Buch von 1970 begann eine lange Jahre andauernde innerkirchliche Auseinandersetzung über die päpstliche Unfehlbarkeit. Im Dezember 1979 erreichte sie schließlich ihren Höhepunkt: Papst Johannes Paul II. billigte jenen Erlass der Glaubenskongregation, in dem es hieß, Küng weiche »in seinen Schriften von der vollständigen Wahrheit des katholischen Glaubens ab«. Darum könne er weder als katholischer Theologe gelten noch als solcher lehren. Die Deutsche Bischofskonferenz entzog dem Tübinger Professor daraufhin die Lehrerlaubnis.

Küng beschreibt die folgenden Wochen später als »die schlimmsten meines Lebens«. Unterkriegen ließ er sich nicht. »Nur nicht resignieren«, rief er 1980 allen zu, die ihm ihre Solidarität bekundeten.

Als Hochschullehrer ohne Fakultät hätte Küngs öffentliches Wirken nun Vergangenheit sein können. Doch das Gegenteil ist der Fa

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