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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 10/2011
Christen müssen selber denken
Der Theologe Klaus-Peter Jörns zur Glaubenskrise
Der Inhalt:

Ein Mann sieht grün

von Susanne Stiefel vom 18.05.2011
Biolandwirt Robert Trautwein will seinen Enkeln eine intakte Umwelt hinterlassen. Deshalb kämpft er gegen die Agro-Gentechnik. Porträt eines bodenständigen Rebellen

So leicht ist dieser Mann nicht zu stoppen. Schon gar nicht von einer kleinen Kartoffel. Auch wenn sie Amflora heißt, von BASF gentechnisch verändert wurde und ab sofort EU-weit angebaut werden darf. »Dann muss i halt noch ärger kämpfen«, dröhnt Robert Trautwein in tiefstem Bass und breitestem Schwäbisch. An diesem Tag hat der Biolandwirt und Gentechnik-Gegner schon 25 Mails verschickt, am Wochenende waren es 300, drei Schulvorträge hat er organisiert, eine Veranstaltung mit Molekularbiologen geplant und natürlich auf dem Markt in Marbach am Neckar mit seinen Kunden geredet. »I kann net alle einfangen«, sagt der bodenständige Aufklärer. Und in seinem Lachen schwingt ein wenig Bedauern darüber mit, dass auch sein Tag nicht mehr als 24 Stunden hat.

Denn Robert Trautwein ist überzeugt, dass die Zeit drängt. »Wenn erst alles kontaminiert ist, ist es zu spät«, mahnt der 64-Jährige. Und seine großen Hände bleiben wie ein Menetekel in der Luft hängen. Wer in diese Hände fällt, hat nichts zu lachen – könnte man meinen. Doch wer ihn trifft, merkt, dass der Mann bei allem Eifer kein Eiferer ist. Dafür liebt er das Leben zu sehr, dafür lacht er zu gerne, auch über sich selbst. »Ich bohre viel«, sagt er, »aber ich bin nicht verbohrt.« Der Biolandbauer gönnt sich schon mal die geliebte, ungesunde Currywurst. Oder den Rostbraten im »Ochsen« in Kirchberg. Es sind die kleinen Widersprüche, die das Leben lebenswert machen.

Hünenhaft sitzt er in seinem Wohnzimmer in Kirchberg, ein Überzeugungstäter mit Humor, einer, der sich den Optimismus nicht stehlen lässt, von niemandem. Unter der grünen Latzhose trägt er einen dicken Pullover, die Arbeitskleidung eines Bauern. Robert Trautwein ist keiner, der sich für seine Mission herausputzt. An den Wänden hängen Aquarelle von der kleinen Murr-Gemeinde, für die der engagierte Bauer lange Jahre im Gemeinderat saß. In der dunklen Schrankwand stehen aufgereiht wie Stauden auf einem Maisfeld die Fotos seiner Kinder und Enkel. Sie sind ihm Mahnung und Motivation zugleich. »Für sie häng ich mich so rein«, sagt der dreifache Großvater. Die Enkel sollen in einer intakten Welt leben. Einer Welt ohne manipulierte Pflanzen und Tiere. Ohne grüne Gentechnik.

Robert Trautwein steht nicht allein mit seinen Bedenken. Die Mehrzahl der Deutschen lehnt die Agro-Gentechnik ab. Sie befürchten unabsehbare Risiken für ihre Ernährung und

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