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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2012
Wer war Jesus?
Die neuen Einsichten der Bibelforscher
Der Inhalt:

Rom räumt auf

Der Vatikan diszipliniert Amerikas Nonnen. Sie seien zu politisch, zu feministisch, zu ungehorsam. Damit meint er alle Frauen

»We are all nuns!« Die US-amerikanische Theologin und Privatdozentin in Maryland, Mary E. Hunt, bringt es auf den Punkt. Ihr Protest gegen das jüngste Werk des Vatikans macht in einem einzigen, kurzen Satz klar, dass der lange Arm Roms Ohrfeigen nicht nur an amerikanische Frauenorden, sondern an alle Frauen in der Welt verteilt hat. Die Strafbotschaft der Kirchenleitung lautet: Wer nicht widerspruchslos dient, bekommt die Folgen zu spüren. Und wie könnte man das wirkmächtiger machen als durch eine Ohrfeige gerade für jene Frauen, die den Habit tragen? Deren Mitgliedschaft in der römisch-katholischen Kirche schon an der Kleidung zu erkennen ist?

Angesichts der aktuellen Missbrauchs-Prozesse in Pennsylvania, Missouri und West Virginia sollte man denken, dass Rom gerade ein ziemlich großes Problem mit den amerikanischen Bischöfen hat. Doch weit gefehlt. Das Problem an sich sind die Frauen. Dass sie ausgerechnet jetzt diszipliniert werden, kann man als Ablenkungsmanöver von den abgründigen Verfehlungen der Kirchenmänner werten – oder ganz allgemein als Botschaft an die wiedererstarkenden konservativen Katholiken weltweit: Seht her, Rom räumt auf!

Zwei Jahre lang hat sich die Leadership Conference of Women Religious (LCWR), die mehr als achtzig Prozent der rund 57.000 US-Ordensschwestern repräsentiert, einer »Visitation« unterziehen müssen. Am 18. April – nur wenige Stunden nachdem die nach Rom gereiste LCWR-Führung das achtseitige Dokument zu Gesicht bekommen hatte – verbreitete die US-amerikanische katholische Bischofskonferenz in Washington das weltweit für Schock und Aufruhr sorgende Ergebnis der Inquisition: Amerikas Nonnen wird zwar verdienstvolle karitative Arbeit