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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2021
Hinterm Horizont
Aussichten nach Corona
Der Inhalt:

Eine starke Stimme

von Gunhild Seyfert vom 15.01.2021
Katharina Kracht hat Missbrauch in der evangelischen Kirche erlitten und streitet für Betroffene
Mitglied im Betroffenenbeirat der EKD: Katharina Kracht (Foto: Tristan Vankann/Fotoetage)
Mitglied im Betroffenenbeirat der EKD: Katharina Kracht (Foto: Tristan Vankann/Fotoetage)

Mit ihrer eigenen Stimme sprechen, das will sie, daran lässt sie keinen Zweifel. Mit viel Mut hat sich Katharina Kracht dem Missbrauch und der Beschämung gestellt, die ihr widerfahren sind. Jetzt zeigt sich die schlanke, hochgewachsene 47-Jährige öffentlich und hat unbequeme Forderungen. Von einem evangelischen Pastor wurde sie als Mädchen und junge Frau jahrelang emotional und sexuell missbraucht. Jetzt verlangt sie engagiert und beharrlich, dass die evangelische Kirche hinschaut, erkennt und sich so verändert, dass der falsche Friede, den sie schmerzhaft erleben musste, nicht mehr möglich ist.

Sie war zwölf Jahre alt, als in die Kirchengemeinde in Nenndorf, südlich von Hamburg, der neue Pastor kam. Jörg Deneke sorgte in den 1980er-Jahren in der Provinz für den besonders bei den Jugendlichen ersehnten frischen Wind. »Ich fand es so toll, dass jemand die Umwelt- und die Friedensbewegung zu uns ins Dorf bringt«, erinnert sich Katharina Kracht im Gespräch. Ihr Blick ist offen und freundlich, sie unterstreicht ihre Worte mit spontanen, harmonischen Bewegungen. Der damals 44-jährige Pastor war erfrischend anders, politisch links und erschien doch solide, war verheiratet und hatte Kinder. Als sie 13 Jahre alt war, wurde Katharina Kracht im Frühjahr 1986 von Deneke konfirmiert. Wenig später lud er sie ein, als Teamerin auf die Jugend- und Konfirmandenfreizeiten mitzukommen. »Er hat gute Angebote gemacht für uns Jugendliche und ich war sehr gerne Teamerin«, sagt Kracht über diese Zeit. Auf den Freizeiten gab es auch Gruppenspiele, Vertrauen sollte geübt und erfahren werden. Dazu gehörten lange Umarmungen. Die nutzte der Pastor, um sich dem Mädchen sexuell zu nähern.

Lange Zeit blickten Protestanten beim Thema

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