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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
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Retter aus der Todeszelle

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 17.12.2015
Der US-amerikanische Anwalt Bryan Stevenson hat Hunderte Menschen vor der Hinrichtung bewahrt. Porträt eines Mannes, der als »Nelson Mandela Amerikas« gilt
Harvard-Absolvent Bryan Stevenson ist ein ungewöhnlicher Anwalt: Er vertritt mittellose Bürger, jugendliche Straftäter und Menschen, die zur Todesstrafe verurteilt wurden. »Wir haben ein Justizsystem geschaffen, in dem man besser behandelt wird, wenn man reich und schuldig ist, als wenn man arm und unschuldig ist. Wohlstand, nicht Wahrheit liegt etlichen Urteilen zugrunde«, sagt er (Foto: Reuters/Marvin Gentry)
Harvard-Absolvent Bryan Stevenson ist ein ungewöhnlicher Anwalt: Er vertritt mittellose Bürger, jugendliche Straftäter und Menschen, die zur Todesstrafe verurteilt wurden. »Wir haben ein Justizsystem geschaffen, in dem man besser behandelt wird, wenn man reich und schuldig ist, als wenn man arm und unschuldig ist. Wohlstand, nicht Wahrheit liegt etlichen Urteilen zugrunde«, sagt er (Foto: Reuters/Marvin Gentry)

Wenn Bryan Stevenson in Talkshows oder auf Konferenzen zu Gast ist, um über Polizeigewalt, Rassismus und die Willkür der amerikanischen Justiz zu sprechen, beginnt er bei seiner Großmutter. Sie war die Tochter von Sklaven, die den Lynchterror Anfang des 20. Jahrhunderts noch erlebte. Aber das erzählt Stevenson erst später. Zuerst teilt er mit dem Publikum Momente seiner Kindheit, in denen die Oma ihn so fest drückte, dass er kaum Luft bekam. Wenn sie ihn einige Zeit später inmitten seiner Cousins und Cousinen sah, fragte sie: »Bryan, spürst du meine Umarmung noch?« Wenn er verneinte, nahm sie ihn abermals in den Arm, um ihm zu zeigen, wie sehr er geliebt wird.

»Ohne Gnade«: Sein Buch erschien gerade auf Deutsch

Heute ist Bryan Stevenson ganz oben. Er ist Harvard-Absolvent, Menschenrechtsanwalt, Aktivist. Und er ist schwarz. Das muss erwähnt werden, weil es sein Leben von klein auf prägte. Als Anwalt vertritt Stevenson mittellose Bürger, jugendliche Straftäter und Menschen, die zur Todesstrafe verurteilt wurden. »Wir haben ein Justizsystem geschaffen, in dem man besser behandelt wird, wenn man reich und schuldig ist, als wenn man arm und unschuldig ist. Wohlstand, nicht Wahrheit liegt etlichen Urteilen zugrunde«, schreibt er in seinem Buch »Just Mercy«, das vor wenigen Wochen auf Deutsch erschienen ist. Rund 120 Inhaftierte, die in der Todeszelle auf ihr nahes Ende warteten, konnte Stevenson vor diesem Schicksal bewahren.

Wie er da auf der Bühne steht, sieht er jünger aus als 55. Er ist energiegeladen, die Augen funkeln. Es sind die Augen eines Mannes, der viel Leid gesehen hat und dennoch nicht aufgibt. Bryan Stevenson wurde 1959 im Bundesstaat Delaware an der Ostküste

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