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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2015
Friede auf Erden!
Navid Kermani über die Macht der Feindesliebe und das Geheimnis Gottes
Der Inhalt:

In welchem Land wollen wir eigentlich leben?

vom 18.12.2015
Wird die Integration der Flüchtlinge Deutschland bereichern – oder vorhandene soziale Probleme verschärfen? Ein Streit über die Thesen des Publik-Forum-Dossiers »Das neue Deutschland«

In was für einem Land wollen wir in Zukunft leben? Diese Frage wird für die Gesellschaften Deutschlands und Europas durch den Flüchtlingsandrang unausweichlich aufgeworfen. Das Publik-Forum-Dossier »Das neue Deutschland« (Heft 20/2015) wirbt für eine Willkommenskultur gegenüber den Flüchtlingen und für ein milliardenschweres »Zukunftsprogramm Integration«, denn es sieht die allermeisten Flüchtlinge als Migranten: »Sie kommen, um zu bleiben.« Mit der Folge: »Deutschland wird multikultureller und multireligiöser.« Diese Vision hat eine lebhafte Diskussion unter den Leserinnen und Lesern ausgelöst. Im Folgenden kritisiert der ehemalige Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Ekkehard Stratmann-Mertens die Position von Publik-Forum. Auf seine Kritik antwortet Redakteurin Britta Baas.

Die Vision der Publik-Forum-Redaktion von einem »neuen Deutschland« vermischt unzulässig Flucht und Migration und vermengt humanitäre mit wohlstandsfixierten Erwägungen, die sich am Nutzen für die Deutschen orientieren. Gravierende Gefahren der »Flüchtlingsmigra tion« werden unterschätzt oder tabuisiert, während die angeblichen Chancen (Wohlstandsgewinne, Verjüngung der Gesellschaft und kultureller Reichtum) zum Teil höchst fragwürdig oder Wunschdenken sind.

Die Schutzrechte für Kriegsflüchtlinge sowie für verschiedenartig Verfolgte – wie die Genfer Flüchtlingskonvention und das Grundrecht auf Asyl – sind ein Gebot für staatliches und eine Aufforderung für zivilgesellschaftliches Handeln. Insofern steht die vieltausendfach praktizierte Willkommenskultur Deutschland gut zu Gesicht. Wer aber den Unterschied von Flüchtlingsschutz und Zuwanderungspolitik nicht berücksichtigt und die allermeisten Ankommenden als künftige »Neubürger« möglichst schnell in diese Gesellschaft integrieren möchte, trägt dazu bei, dass sich zunehmende Teile der einheimischen Bevölkerung in Deutschland, auch im aufgeklärt-liberalen Bürgertum, überfordert fühlen.

Umgekehrt macht es Sinn: Die genannten Schutzrechte müssen auf Zeit gewährt werden, solange die Notsituation der Flüchtlinge in ihren Heimatländern anhält. Flüchtenden sollte von vornherein die spätere Rückkehrperspektive vermittelt werden. Dann wird die Gewährung von Schutz in

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