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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:
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Reise ins (un)heilige Land

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 21.12.2017
Wer sich heute aufmacht gen Bethlehem, erlebt vor allem Widersprüche: Grenzenlose Wut – und große Hoffnung. Eine Reportage aus Gaza und dem Westjordanland
Israelische Grenzanlage nahe Bethlehem: Das Leben hinter Mauern und Zäunen ist Alltag im (un)heiligen Land. (Foto: Rheinheimer-Chabbi)
Israelische Grenzanlage nahe Bethlehem: Das Leben hinter Mauern und Zäunen ist Alltag im (un)heiligen Land. (Foto: Rheinheimer-Chabbi)

Bethlehem im November 2017: Eine neun Meter hohe Betonmauer durchzieht das Land. Ich stehe auf dem Dach einer Schule im Flüchtlingslager Aida und starre auf die Sperranlage mit ihren Wachtürmen. Fast 800 Kilometer schlängelt sich die Mauer durchs Westjordanland. Hier ist sie grau und trostlos, doch einige Hundert Meter weiter haben die Leute sie mit Graffiti versehen: ein Tiger mit weit aufgerissenem Maul, darüber steht: »Hier können nur Tiger überleben.« Etwas weiter prangt eine Friedenstaube. Und dann ist da die Zeichnung von Präsident Trump, der – in Anspielung auf seine geplante Mauer zu Mexiko – verspricht: »Du bekommst bald einen großen Bruder.« Das war Ende November. Zu diesem Zeitpunkt ahnte keiner aus unserer Journalistengruppe, dass Trump mit seiner Entscheidung, die US-Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, eine Woche später eine Welle der Gewalt in der Region auslösen würde.

Dass es früher oder später wieder zu einem Aufbegehren kommen würde, war allerdings vorherzusehen. »Man kann gar nicht unterschätzen, wie desaströs die humanitäre Lage der Palästinenser ist. Keine Würde, keine Perspektive – diesen Druck hält niemand ewig aus. Es braucht dringend einen neuen Horizont«, sagte Pierre Krähenbühl, Leiter des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) eine Woche vor Ausbruch der Unruhen. Enttäuschung, Perspektivlosigkeit und ein Gefühl der Ohnmacht entladen sich nun in Wut. Vor dem Hintergrund des Krieges in Syrien war der ewig schwelende Nahostkonflikt fast in Vergessenheit geraten. Nun rufen sich die Palästinenser mit aller Vehemenz wieder in Erinnerung. Die Bilder, die dieser Tage über die Fernsehbildschirme flackern, sind dabei nur ein Ausschni

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