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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2017
Was Menschen wirklich brauchen
Ein Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa über die Sehnsucht nach Resonanz
Der Inhalt:

Die wahre Weihnacht

von Ruth Misselwitz vom 22.12.2017
Die Geburt Jesu beginnt mit Todesgefahr und Flucht. Wie viel sind uns Christen heute Geflüchtete wert? Ein Zwischenruf

So etwas wie 2015 darf sich nicht wiederholen.« – Dieser Satz wird wie ein Mantra in Talkshows, Zeitungen und von Politikern benutzt. Was darf sich nicht wiederholen? Dass Tausende von Menschen in Richtung Europa wandern? Eine Kanzlerin, die ihrem Gewissen folgt? Eine Welle der Hilfsbereitschaft, die durch das ganze Land geht? Überforderte Kommunen und Behörden?

Dass Flüchtlinge in Richtung Europa wandern, wiederholt sich täglich. Dass eine Kanzlerin ihrem Gewissen folgt, wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen. Dass viele Menschen ihre Hilfe anbieten, wird sich auch wiederholen. Dass Kommunen und Behörden überfordert sind, sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Das Jahr 2015 war nur ein Probefall für das, was in Zukunft zu erwarten ist, wenn wir so weitermachen, wie wir weitermachen.

Das Flüchtlingsthema ist so alt wie die Menschheit, auch die christliche Religion beginnt damit. »Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleibe dort, bis ich dir’s sage, denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.« Josef hört auf die Stimme des Engels und flieht nach Ägypten. Die Geburt Jesu beginnt mit Todesgefahr und Flucht. So der Evangelist Matthäus. Er zieht damit eine Parallele zum Schicksal des Propheten Mose, der sein Volk Israel auf der Flucht vor Todesgefahr und Unterdrückung in die Freiheit geführt hat. Mose und Jesus – sie beide stehen für die große Befreiungstat, die Gott zuerst seinem Volk Israel und dann der ganzen Welt verheißt. Flucht vor Terror, Hunger und Gewalt – so hat es das Volk Israel erlebt. So erlebt es die heilige Familie. So haben es Generationen vor uns erlebt, so werden es Generationen nach uns erleben. So erleben wir es gegenwärtig.

Die Propheten im Ersten Testament mahnen, auf die Schwächsten und Geringsten im Lande achtzugeben – das waren die Witwen, die Waisen und die Fremdlinge, die keinen Schutz hatten. Sie sind auf die Fürsorge einer Gesellschaft angewiesen, die diese mit Gesetzen und Regeln zu ordnen hat und im Notfall auch gegen die Meinung der Mehrheit durchsetzen muss. »Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Land, den sollt ihr nicht bedrücken. Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland« – so spricht Gott durch Mose zu seinem Volk, so soll das Volk Gottes handeln.

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