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Publik-Forum, Heft 17/2017
Kein Land in Sicht
Im Mittelmeer steckt Europa in einem moralischen Zwiespalt
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Kein Land in Sicht

von Elisa Rheinheimer-Chabbi vom 07.09.2017
Die Flucht über das Mittelmeer bringt Europa in einen moralischen Zwiespalt. Darf es mit Libyen kooperieren? Die Seenotrettung einschränken? Europa steckt im Dilemma. Die Titelgeschichte in der neuen Ausgabe von Publik-Forum
Tausende versuchen unter Lebensgefahr über das Mittelmeer Europa zu erreichen (Foto: pa/Marco Panzetti/NurPhoto)
Tausende versuchen unter Lebensgefahr über das Mittelmeer Europa zu erreichen (Foto: pa/Marco Panzetti/NurPhoto)

Die Lebensretter sind müde. Wer dieser Tage bei Ärzte ohne Grenzen oder Sea-Watch anruft, um über Seenotrettung im Mittelmeer zu sprechen, hört aus den Stimmen der Aktivisten vieles heraus: Wut und Frustration über den Umgang der Politik mit Geflüchteten, Enttäuschung, aber vor allem: Erschöpfung. Rund 70 000 Menschen hat Ärzte ohne Grenzen in den vergangenen zwei Jahren aus dem Meer gezogen, 5000 hat Sea-Watch allein dieses Jahr an Bord genommen. Und neben diesen beiden gibt es noch viele weitere Organisationen, die im Mittelmeer Menschen retten und damit »einspringen für die Staaten der Europäischen Union, die eigentlich diese Arbeit leisten müssten«, wie Gianni de Robertis, Direktor der Flüchtlingsfachstelle der Italienischen Bischofskonferenz, es ausdrückt. Aber das ist nur eine Sichtweise.

Die Ereignisse überschlagen sich

Seit Anfang August überschlagen sich die Ereignisse: Italien verlangte von privaten Hilfsorganisationen unter anderem, dass sie bewaffnete Polizisten an Bord nehmen – einen ganzen Verhaltenskodex sollten die NGOs unterschreiben. Die waren entrüstet und betonten, dass sie sich an internationales Seerecht hielten und es keinen extra Kodex brauche. Dann rief die libysche Küstenwache eine Such- und Rettungszone aus und drohte NGOs, diese ja nicht zu befahren. Seitdem die Libyer das Boot einer spanischen Seenotrettungsorganisation in ihre Gewalt gebracht und zwei Stunden gefangen gehalten hatten, bleiben die meisten privaten Retter mit ihren Schiffen in den Häfen Siziliens und Maltas.

Es ist schwierig, da den Überblick zu behalten – zumal ein

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