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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2019
Sind wir noch zu retten?
Was in der Klimakrise hoffen lässt
Der Inhalt:

Als die Mauer fiel

von Axel Noack vom 03.11.2019
Axel Noack, der damalige Pfarrer und spätere Bischof in Magdeburg, beschreibt die dramatische Wendezeit 1989
War 1989 Pfarrer in Wolfen im Kreis Bitterfeld: Axel Noack (Foto: epd/Kuehne)
War 1989 Pfarrer in Wolfen im Kreis Bitterfeld: Axel Noack (Foto: epd/Kuehne)

Wie so viele Menschen wurde ich vom Mauerfall überrascht. Ich war Gemeindepfarrer in Wolfen bei Bitterfeld, und zugleich gehörte ich seit 1986 der Konferenz der Kirchenleitungen (KKL) an. In dieser Funktion war ich mal wieder zu einer Sitzung in Berlin, die am 10. und 11. November in der Auguststraße stattfinden sollte, eine »normale« Sitzung. Am Vorabend, also am 9. November, ging ich zu einem Vortrag von Manfred Stolpe in der Friedrichstadtkirche am heutigen Gendarmenmarkt. Der Saal war proppevoll. Am Rande dieser Veranstaltung sprachen wir in einer kleinen Gruppe in der Sakristei mit dem Vizepräses der Bundessynode, Lothar de Maizière, der vor der Entscheidung stand, am nächsten Morgen im gegenüberliegenden Haus der alten Ost-CDU für den CDU-Vorsitz zu kandidieren.

Den restlichen Abend verbrachte ich mit einem befreundeten Journalistenehepaar, die als Vertreter der »Westpresse« in einem besonderen, am Rand von Berlin gelegenen Wohngebiet wohnen mussten. Wir haben uns den ganzen Abend unterhalten, ohne Fernsehen und Radionachrichten. Es war schon spät, als der Freund mich im Auto zurück in die Stadt fuhr. In der Friedrichstraße kamen uns Massen von Menschen entgegen. Sie riefen, die Mauer sei auf. Ich erinnere mich, dass wir das freudig, aber letztlich doch ungläubig vernommen haben. Ich wurde zum Hotel gefahren, wir haben uns voneinander verabschiedet. Erst dann wurde mir das Ausmaß der Sache bewusst. Ich zog noch einmal los – nur um mal zu schauen –, und ehe ich mich’s versah, war ich in Westberlin, ohne irgendjemandem meinen Ausweis auch nur gezeigt zu haben.

Am folgenden Morgen fuhr ich wieder nach Westberlin und bekam Bananen geschenkt. Auf dem Rückweg – ich wollte pü

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