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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Einheit – trotz allem

von Bettina Röder vom 25.10.2018
Der zunehmende Rechtsextremismus beherrscht die politische Debatte in Ost und West. Verkannt wird dabei, was der Mauerfall am 9. November 1989 allen Deutschen gebracht hat. Ein Essay
Berlin, einen Tag nach der Maueröffnung im Jahr 1989: Welches Land hat die Chance, sich über die unterschiedlichen Erfahrungen in einer gemeinsamen Sprache auszutauschen? Wann beginnen wir, diese Unterschiede als Reichtum zu begreifen und nicht als Defizit? (Foto: imago/imagebroker)
Berlin, einen Tag nach der Maueröffnung im Jahr 1989: Welches Land hat die Chance, sich über die unterschiedlichen Erfahrungen in einer gemeinsamen Sprache auszutauschen? Wann beginnen wir, diese Unterschiede als Reichtum zu begreifen und nicht als Defizit? (Foto: imago/imagebroker)

Der Intendant der Köthener Bachfesttage, Folkert Uhde, ist sauer. »Eine Stadt duckt sich weg«, hatte die Zeit nach den rechten Aufmärschen in der anhaltischen Residenzstadt getitelt. Das Gegenteil sei richtig, erklärt der in Wilhelmshaven an der Nordsee aufgewachsene Kulturmanager in einem Rundfunkbeitrag. Die Stadtgesellschaft sei zusammengerückt, diskutiere gemeinschaftlich, wie man Hass und Hetze begegnen könne und die eigene Stadt vor Gewalt schützen. Nur Stunden, nachdem die Meldung vom Tod des 22-jährigen Kötheners in der Auseinandersetzung mit drei Flüchtlingen über den Ticker ging, habe es am Nachmittag einen Gedenkgottesdienst gegeben. Erst danach, am Abend, seien rechte Gruppen zu einem »Trauermarsch« angereist.

Nach jenem Sonntag gab es in Köthen über Wochen täglich ein gut besuchtes Friedensgebet. Und fast jeden Tag eine Zusammenkunft von unterschiedlichen Bürgern im Rathaus, um nächste Schritte zu planen. Doch Journalisten, die in die Stadt kamen, seien voller Vorurteile gewesen. Der Moderator eines westdeutschen Senders habe in einem Interview mit ihm unbedingt hören wollen, dass seine Künstler nun nie wieder nach Köthen kommen, weil da ja überall Nazis seien, erinnert sich Uhde, der an den Unis und Hochschulen in Friedrichshafen, Salzburg und Nürnberg unterrichtet. Er habe diese Journalisten enttäuschen müssen, stattdessen von der aktiven Bürgerschaft erzählt, von den begeisterten Besuchern seines Festivals und den enthusiastischen Künstlern, die viele Solidaritätsbekundungen und Ermutigungen aus der halben Welt über Facebook nach Sachsen-Anhalt schickten. In dieser Zeit, so Uhde, in der er mit den Köthenern um das Bild ihrer Stadt kämpfte, habe er geler

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