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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 20/2018
Mensch oder Profit
Woran die Pflege krankt. Und wie es besser geht
Der Inhalt:

Sozialprotokoll: »Freiheit für Belarus!«

Andrus Krecka kämpft in Weißrussland für die Menschenrechte – der 31-Jährige riskiert dabei viel

Vor drei Monaten saß ich mal wieder in einer belarussischen Polizeistation. In Belarus, wie ich Weißrussland bewusst nenne, kommt es ständig zu Menschenrechtsverletzungen: Es gibt keine Meinungs- und Pressefreiheit, gefälschte Wahlen, keine unabhängige Justiz. Dazu einen starken russischen Einfluss auf die Regierung. Menschen, die ihre Meinung äußern, werden festgenommen und eingesperrt. Deshalb bin ich Menschenrechtsaktivist. Als im März Tausende Menschen in Minsk an den Tag erinnerten, an dem Belarus 1918 seine Unabhängigkeit erklärt hat, war ich einer von sechs Beobachtern für die Menschenrechtsorganisation Viasna. Trotz unseres Beobachterausweises wurden wir sofort festgenommen. Ich wurde acht Stunden festgehalten.

Für mich ist das normal. Ich bin schon mehr als zwanzig Mal festgenommen worden. 2010 war ich zwölf Tage lang im Gefängnis. Ich saß oder lag mit zehn anderen Gefangenen in einem zugigen Raum. Mitten im Winter, ohne Decken, ohne Matratzen. Wir hatten keine Toilette, nur ein Loch im Boden, keinen Sichtschutz. Mein »Vergehen«: Ich hatte vor den Präsidentschaftswahlen 2010 Mahnwachen für verschwundene politische Gegner von Alaksandr Lukašenka, unserem Diktator, mitorganisiert.

Viele denken, dass das furchtbar gewesen sein muss. Aber im Rückblick sehe ich diese Tage sogar als gute Erfahrung. Ich war mit vielen anderen Aktivisten eingesperrt, wir hatten inspirierende Gespräche. Ich hatte auch das Gefühl, wenn diese undemokratische Regierung glaubt, mich einsperren zu müssen, hält sie mich für einen ernst zu nehmenden Gegner. Dann habe ich doch alles richtig gemacht. Indem wir die Zeit überstanden, uns nicht zerbrechen ließen, hatten wir auch das Gefühl, vielleicht n