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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 23/2013
Vertrauen, verändern, genießen
Margot Käßmann über die Zukunft der Christen
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Die dunkle Seite der Schokolade

von Volker Rekittke vom 06.12.2013
»Ritter Sport« will mehr Kakao unter gerechteren Bedingungen einkaufen. Kritiker halten das für reine Imagepflege. Der Streit zeigt: Wunsch und Wirklichkeit liegen im fairen Handel noch immer weit auseinander
Heute ist Nikolaustag: Ein Grund zur Freude, auch wenn die Schoko-Männer, die in Erinnerung an einen mildtätigen Bischof der Antike verschenkt werden, nicht immer unter den besten Bedingungen entstehen. (Foto: pa/Kneffel)
Heute ist Nikolaustag: Ein Grund zur Freude, auch wenn die Schoko-Männer, die in Erinnerung an einen mildtätigen Bischof der Antike verschenkt werden, nicht immer unter den besten Bedingungen entstehen. (Foto: pa/Kneffel)

Mit der Machete teilt der Campesino eine reife, orangefarbene Kakaofrucht. Die weiß-gelben Bohnen sind von einem süßlich schmeckenden Fruchtfleisch umgeben. Reynaldo Morales Ordoñes bewirtschaftet seit zehn Jahren mehr als 1800 Kakaobäume im nicaraguanischen Rancho Grande. Den Kakao verkauft er über seine Kooperative an die Schokoladenfirma Ritter Sport. Die zahlt gut: Bei 2600 bis 2800 Dollar liegt der Weltmarktpreis für eine Tonne Kakaobohnen. Ritter Sport zahlt Ordoñes 700 Dollar obendrauf. Weitere 200 Dollar gibt’s für Kakao, der biologisch angebaut wird – wie auch für solchen, der auf das UTZ-Siegel umgestellt wird. UTZ schreibt Mindestlöhne fest, verbietet Kinderarbeit und sichert Gewerkschaftsfreiheit. Für Bio oder für fairen Handel steht es allerdings nicht.

Seit 1990 ist Ritter Sport in Nicaragua aktiv. Aktuell kauft das Unternehmen Kakao von 21 Kooperativen mit 4300 Mitgliedsfamilien. Traditionell bauen dort die meisten Kleinbauern Kaffee an. Seit ein paar Jahren setzen immer mehr auf Kakao. »Der Kakao-Boom in Nicaragua wäre ohne das Engagement von Ritter nicht möglich gewesen. Die Firma hat sich einfach was getraut«, sagt Jan Bock von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Zusammen mit dem Deutschen Entwicklungsdienst hat sie die Zusammenarbeit von Kooperativen und Ritter Sport vorangetrieben.

Tag für Tag laufen bei Ritter Sport in Waldenbuch 2,5 Millionen Schoko-Quadrate vom Band. Bislang bezieht Ritter nur vier Prozent seines Kakaos aus Nicaragua. Das Gros der braunen Bohnen kauft die Firma an der Börse. Mehr als die Hälfte des Ritter-Kakaos stammt aus Westafrika. Nach Unicef-Schätzungen schufte

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