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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2017
Glauben Männer anders?
Das schillernde Verhältnis von Männern zur Religion
Der Inhalt:

Roland Jahn: »Nichts verschweigen!«

von Bettina Röder vom 01.10.2017
Jahn war Bürgerrechtler in der DDR und wurde gefesselt in einem Eisenbahnwaggon in den Westen abgeschoben. Heute ist er Chef der Stasiunterlagenbehörde. Er ermutigt ehemalige Stasimitarbeiter, die Wahrheit zu sagen. Ein Gespräch zum 3. Oktober
Roland Jahn: »Eine Diktatur ist überwindbar. Das ist etwas, was Hoffnung gibt. Es gilt, Angst zu überwinden, denn Angst ist der Kitt der Diktatur.« (Foto: pa/Schulze)
Roland Jahn: »Eine Diktatur ist überwindbar. Das ist etwas, was Hoffnung gibt. Es gilt, Angst zu überwinden, denn Angst ist der Kitt der Diktatur.« (Foto: pa/Schulze)

Publik-Forum: Herr Jahn, Sie sind seit 2011 Leiter der Stasiunterlagen-Behörde. Was bedeutet Ihnen diese Arbeit?

Roland Jahn: Sehr viel. Schließlich beschäftige ich mich mit dem Thema Stasiakten nicht erst, seit ich in diesem Amt bin. Ich war schon 1989/90 als Journalist mit dabei, als die Dienststellen der Stasi besetzt worden sind. Da ging es in erster Linie darum, dass die Stasiakten nicht vernichtet wurden. Dass sie bewahrt werden, um das Unrecht zu belegen. Diese Akten sind wichtig, um den Opfern gerecht zu werden und gleichzeitig die Brücke zu den Generationen zu schlagen, die nicht dabei waren.

Warum sollen sich junge Menschen damit befassen?

Jahn: Die eigentliche Botschaft ist doch: Eine Diktatur ist überwindbar. Das ist etwas, was Hoffnung gibt, gerade auch in ausweglosen Situationen dieser Welt. Es gilt, Angst zu überwinden, denn Angst ist der Kitt der Diktatur. Das kann man beim Lesen der Akten erkennen. Und das ist etwas Wichtiges für heute.

Worin unterscheidet sich Ihre jetzige Tätigkeit als Leiter der Behörde von Ihrer Zeit als Journalist?

Jahn: Früher habe ich mir die Geschichten selber gesucht, jetzt kommen sie auf mich zu. Es geht ja um Menschen und ihre Schicksale. Und darum, nach der Einsicht in die Stasiakten das Leben neu auf die Füße zu stellen. Das geht einem manchmal sehr nahe.

Was erfahren Sie da?

Jahn: Viele haben noch heute gesundheitliche Schäden, aus der Haftzeit beispielsweise. Andere erinnern sich an Ungereimtheiten in ihrem Leben und vermuten, dass

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